Annabell Hüsken
Privat
Vor der North-West University in Potchefstroom
„Es ist etwas ganz Besonderes für mich, dass ich durch das Helmut & Babs Amos Stipendium der DAAD-Stiftung die Chance zu einem Forschungsaufenthalt in Südafrika erhalten habe und dabei neue fachliche und interkulturelle Erfahrungen sammeln konnte.“
Annabell Hüskens Promotion widmet sich der Untersuchung von Wasserschnecken und ihren Parasiten, den als Trematoden bezeichneten Saugwürmern, in Süß-gewässern. Aufgrund ihrer engen Interaktion mit verschiedenen Wirten sind Trematoden wertvolle Indikatoren für den ökologischen Zustand von Gewässern. Der parasitologische Forschungsschwerpunkt der North-West University in Potchefstroom machte diese zur idealen Gastinstitution für Hüskens Aufenthalt, den sie mit Hilfe des Helmut & Babs Amos Stipendiums der DAAD-Stiftung realisieren konnte. Ihre vielfältigen Eindrücke abseits des Fachlichen, z.B. die Fauna im Highveld, hielt die begeisterte Hobbyfotografin mit ihrer Kamera fest.
Die Zeit meines Forschungsaufenthalts in Südafrika war für mich eine ebenso aufregende wie bereichernde Erfahrung. Durch die Teilnahme an einer internationalen Konferenz und die Arbeit an der North-West University konnte ich meine Promotion fachlich weiterentwickeln und wertvolle internationale Forschungserfahrungen sammeln.
Darüber hinaus konnte ich Südafrika als vielseitiges und lebendiges Land kennen-lernen, in das ich in der Zukunft auf jeden Fall zurückkehren möchte. Mein herzlicher Dank für die Unterstützung, die mir diese Erfahrung ermöglicht hat, gilt der DAAD-Stiftung, meinem Förderer Helmut Amos des Helmut & Babs Amos Stipendiums, sowie der Water Research Group der North-West University mit Prof. Dr. Nico Smit.

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Kruger Nationalpark
Nach meiner Ankunft in Potchefstroom blieb kaum Zeit, den großen Koffer aus- und einen kleinen Koffer neu zu packen, denn für mich ging es direkt weiter: Zusammen mit meiner Gastarbeitsgruppe der Water Research Group an der North-West University (NWU) startete ich am nächsten Morgen ins Skukuza Camp des Kruger-Nationalparks, um dort am 5th International Congress on Parasites of Wildlife teilzunehmen.
Den Forschungsaufenthalt mit der Teilnahme an einer internationalen Konferenz zu beginnen erwies sich als idealer Einstieg in die neue Arbeitsgruppe. Nachdem ich meinen eigenen Vortrag bereits am ersten Konferenztag halten durfte, hatte ich vier weitere Tage Zeit, das vielfältige Programm zu verfolgen und internationale Expert*innen wie Prof. Dr. Thomas Cribb aus Australien oder Dr. Jenny Dunn aus England persönlich kennenzulernen, die ich vorher nur aus der Literatur kannte.

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Vortrag bei der 5. ICPOW im Kruger Nationalpark
Während morgens bei Sonnenaufgang die ersten Game Drives im Park stattfanden, bot mir das anschließende wissenschaftliche Programm wertvolle Einblicke in die Forschungsfelder meiner neuen Kolleg*innen, beispielsweise die Untersuchung ektoparasitischer Asseln an Meeresfischen oder die Beschreibung neuer Arten von Blutparasiten. Das Konferenzprogramm spannte sich dabei über verschiedene Themenfelder der Parasitologie, von (veterinär-) medizinischen Vorträgen zu Risiken für Mensch und Gesundheit, über Evolution und Biodiversität von Parasiten, bis hin zu ihrer wichtigen ökologischen Rolle in terrestrischen und aquatischen Ökosystemen.
Am letzten Konferenztag stellte mein Gastprofessor, Prof. Dr. Nico Smit, in seinem Keynote Vortrag das Konzept zu Schutz und Erhaltung von Parasiten vor, die gemeinsam mit ihren Wirten oft vom Aussterben bedroht sind. Zum Ende der Konferenzwoche zeigte sich, dass ich nicht nur spannenden Input gewinnen konnte, sondern auch mit meinem eigenen Vortrag mit dem Titel „Beyond restoration: Environmental drivers of trematode dynamics in recovering streams“ beim wissenschaftlichen Publikum gut ankam: Ich durfte den Preis für den besten Vortrag in der Gruppe der Studierenden und Doktorand*innen entgegennehmen.

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Preisverleihung zur “Best Senior Oral Presentation“
Der starke parasitologische Forschungsschwerpunkt der Water Research Group der NWU machte diese Arbeitsgruppe zur idealen Gastinstitution für meinen Aufenthalt. Durch eine frühere Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen, an der meine Promotion angesiedelt ist, konnte ich schon in der Vergangenheit einzelne Personen aus der Arbeitsgruppe kennenlernen, mich über Methoden und Fachgebiete informieren, und meinen Aufenthalt bestmöglich vorbereiten.
Mit der Rückkehr nach Potchefstroom nach der Konferenz begann somit die eigentliche Arbeit meines Forschungsaufenthalts, die Untersuchung von Wasserschnecken und ihren Parasiten (Trematoden) in Süßgewässern Südafrikas. Trematoden (Saugwürmer) besitzen komplexe Lebenszyklen mit in der Regel drei aufeinanderfolgenden Wirten: einem Wirbeltier als Endwirt, einer (Wasser-)Schnecke als erstem Zwischenwirt, und einem zweiten Zwischenwirt, der je nach Trematodenart aus einer Vielzahl von Organismen bestehen kann, die zum Nahrungsspektrum des Endwirts gehören.
Während die adulten Stadien vieler Trematoden gut untersucht sind, ist über die (Larven-)Stadien der Zwischenwirte oft weniger bekannt, und die entsprechenden Lebenszyklen sind nur selten vollständig erforscht. Aufgrund ihrer engen Interaktion mit verschiedenen freilebenden Wirten stellen Trematoden außerdem wertvolle Indikatoren für den ökologischen Zustand von Gewässern dar. Ziel meines Aufenthaltes war es daher, die Diversität der Trematoden in Südafrika weiter zu erschließen, ihre Lebenszyklen zu rekonstruieren, und ökologische Rückschlüsse auf das untersuchte Ökosystem zu ziehen.

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Probennahme
Bereits in meiner ersten Woche an der NWU begann das Sampling der aquatischen Schnecken. Wetterfühlig durfte man nicht sein: Waren es an einem Tag noch sonnige 32 °C, standen wir am nächsten Tag bei 18 °C im Regen – südafrikanischer Frühling. Mit über 500 gesammelten Schnecken konnten wir am Ende der Woche dennoch sehr zufrieden sein. In den darauffolgenden Wochen lag der Fokus darauf, infizierte Schnecken zu identifizieren sowie die Trematoden zunächst morphologisch unter dem Mikroskop und anschließend molekulargenetisch zu bestimmen.
Die Arbeit in einem neuen Labor gab mir dabei wertvolle Einblicke in die Arbeitsabläufe der Gastuniversität. Wie alle Südafrikaner*innen, die ich kennengelernt habe, empfand ich auch das Arbeitsumfeld als besonders hilfsbereit und aufgeschlossen. Ansonsten spielte im Vergleich zu meiner Arbeitsgruppe an der Universität Duisburg-Essen vor allem die Hierarchie eine größere Rolle – wer Dr. oder sogar Prof. ist, wird in der Regel durchgängig mit diesem Titel angesprochen. Studierende im Master sind zudem viel enger in die Arbeitsgruppe eingebunden, und fast jeden Tag vor Ort um an ihren Projekten und Publikationen zu arbeiten.
Zusammen mit fünf Professor*innen und acht Post-Docs aus den Bereichen Parasitologie, Ökologie, und Ökotoxikologie kommt die Water Research Group so auf über 30 Personen, durch die ich im intensiven Austausch meinen wissenschaftlichen Horizont erweitern und fachspezifische Methoden erlernen konnte.

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Im Labor bei der Untersuchung aquatischer Schnecken
Besonders interessant war dabei für mich die taxonomische Expertise der Kolleg*innen und das Erlernen von Methoden, die zur Artbeschreibung verwendet werden, beispielsweise die Fixierung und Färbung von Parasitenstadien zur Erhebung standardisierter morphologischer Messungen. Gleichzeitig konnte auch ich neue Impulse in die Arbeitsgruppe einbringen. In der Water Research Group wird vor allem an Fischparasiten geforscht, sodass einige Kolleg*innen gezielt vorbeikamen, um sich die identifizierten Zerkarien (Larvenstadien) aus den Schnecken anzusehen und über die potenziellen Lebenszyklen zu diskutieren.
Die finalen Ergebnisse meines Forschungsaufenthalts werde ich nun in enger Kooperation mit den Kolleg*innen vor Ort aufarbeiten. Die erhobenen Daten bieten vielversprechende Anknüpfungspunkte und könnten die Grundlage einer längerfristigen wissenschaftlichen Zusammenarbeit bilden.
Neben der Arbeit bot Potchefstroom zahlreiche Möglichkeiten, die Region kennen-zulernen. Die neuen Kolleg*innen stellten sicher, dass auch an den Wochenenden keine Langeweile aufkam. So fielen in die Zeit meines Aufenthalts ein Ausflug nach Pilanesberg, Restaurantbesuche in der Stadt, Spaziergänge am Fluss oder eine Tageswanderung in den Bergen des Vredefort Dome, einem der größten bekannten Asteroiden-Einschlagskrater der Welt.

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Ausflug Pilanesberg
Da ich in meiner Freizeit gerne Natur- und Tierfotos mache, hatte ich auch bei meinem Forschungsaufenthalt meine Kamera dabei und konnte diese neuen Erfahrungen für immer festhalten. Mit 1340 m über dem Meeresspiegel ist Potchefstroom im sogenannten Highveld gelegen, einer von Grasland geprägten Plateauregion, in der viele der vorkommenden Tiere und Pflanzen an die entsprechenden Ökoregion angepasst sind.
Neben den großartigen Tierbeobachtungen in den Nationalparks konnte ich auch in Potchefstroom und Umgebung ein paar ganz besondere Tiere fotografieren, zum Beispiel eine Puffotter, eine der giftigsten Schlangen Südafrikas, oder den Hahnenschweifweber, ein Webervogel dessen Männchen im Prachtkleid einen bis zu 50 cm langen Schweif ausbilden.
Dazu haben mich aber auch die alltäglichen Begegnungen mit der südafrikanischen Tierwelt beeindruckt: selbst auf dem NWU Campus musste man sich vor den namensgebenden lauten Rufen des Hadada Ibis und der Umtriebigkeit der Grünen Meerkatzen in Acht nehmen. Darüber hinaus gab es ein großes kulturelles Angebot, darunter der Snowflake Market mit regionalem Essen und handgemachten Produkten, das Aardklop Festival mit Fokus auf Kunst, Musik und Kabarett der Afrikaans-Kultur, sowie die Feierlichkeiten zum Heritage-Day, an dem der kulturelle Reichtum Südafrikas zelebriert wird.
Kulinarisch konnte wohl eher ich meine Kolleg*innen überraschen: obwohl es keine Seltenheit ist, dass hier zwei oder drei verschiedene Arten Fleisch zusammen gegessen werden, hat die südafrikanische Küche auch viele abwechslungsreiche vegane Gerichte zu bieten. Auch beim traditionellen Braai, dem Grillen über offenem Feuer, wurde für mich immer etwas Passendes gefunden. Besonders vermissen werde ich außerdem das regionale Obst und die Snacks aus Pekannüssen.
Durch die offene und herzliche Art der Menschen in Südafrika habe ich mich von Anfang an willkommen gefühlt. Einige der Kontakte, die ich in Potchefstroom knüpfen konnte, werde ich bereits im kommenden Jahr auf dem Ichthyoparasitologischen Symposium (IPS) in Deutschland wiedersehen.
Insgesamt blicke ich auf eine Zeit zurück, in der ich fachlich und persönlich enorm viel lernen durfte. Umso mehr freue ich mich, meinen Forschungsaufenthalt in Potchefstroom nicht als abgeschlossenes Kapitel, sondern vielmehr als Beginn einer neuen Zusammenarbeit zu sehen. Momentan schreibe ich mit den neuen Kolleg*innen bereits an der ersten Publikation aus den erhobenen Daten, und hoffe sehr, dass ich in der Zukunft wieder die Gelegenheit haben werde, vor Ort weiterzuarbeiten.
Stand: November 2025

