Leonie Embacher

Privat

Leonie Embacher vor dem LSE Gebäude

"Das Alexander Spohn-Stipendium der DAAD-Stiftung hat mir ein Studium an meiner Traumuniversität ermöglicht, wo ich nicht nur fachlich stark gefordert wurde und unglaublich viel lernen konnte, sondern mich auch persönlich weiterentwickelt habe. Es hat mir die Freiheit gegeben, mich voll und ganz auf das Studium und das Leben in London einzulassen – eine Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin."

Mit dem Alexander Spohn Stipendium der DAAD-Stiftung konnte Leonie Embacher an der London School of Economics einen Masterstudiengang im Bereich „Social Data Science“ abschließen. Schwerpunkt ihres Masters war die Untersuchung gesellschaft-licher Fragestellungen mittels Datenanalysetools sowie die Datenauswertung. Im Rahmen ihres Studienaufenthalts erwarb sie nicht nur Kenntnisse in neuen Analyse-methoden, sondern erhielt u.a. auch Einblicke in die strukturellen Unterschiede zwischen dem deutschen und dem englischen Hochschulsystem.

Nach meinem Bachelor in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Ulm, in dem ich mein Interesse an Statistik und Data Science entdeckt habe, habe ich mich dazu entschieden, mich für einen Master in Statistics (Social Statistics) an der London School of Economics and Political Science (LSE) zu bewerben. Nach meinem Bachelor-abschluss im Dezember absolvierte ich zunächst noch ein Praktikum und reiste zwei Monate durch Südostasien, bevor ich im September nach London zog, um dort mein Studium zu beginnen.

Entschieden habe ich mich für die LSE vor allem aufgrund des besonderen Master-programms, das Statistik in Kombination mit sozial- und gesellschaftsrelevanten Themen verbindet. Diese inhaltliche Mischung war einzigartig und knüpfte perfekt an meinen Bachelor an. Zudem wollte ich meinen Master gerne im Ausland absolvieren, und London erschien mir mit seinen renommierten Universitäten sowie seinem kulturellen und internationalen Flair als idealer Studienort.

Embacher Campus LSE

Privat

Campus der LSE

Von September 2024 bis Juni 2025 durfte ich dann an der LSE studieren. Das Studium unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von dem in Deutschland. Das akademische Jahr ist in drei Trimester unterteilt: den Autumn Term (September bis Dezember), den Winter Term (Januar bis März) und den Summer Term (April bis Juni).

Jedes Trimester umfasst elf Wochen, inklusive einer Reading Week, die zur Wieder-holung genutzt werden kann. Vorlesungen finden ausschließlich in den ersten beiden Trimestern statt, während das dritte Trimester für Prüfungen und Assignments vorgesehen ist. Diese Struktur war anfangs ungewohnt, da Prüfungen oft erst Monate nach Abschluss der Vorlesungen stattfinden.

Rückblickend bevorzuge ich das deutsche System mit zwei längeren Semestern, da man dort mit Semesterende in der Regel auch die Klausuren abschließt und sich danach voll auf neue Inhalte konzentrieren kann. Das LSE-System hat aber auch Vorteile: Dadurch das anstatt in Semestern in akademischen Jahren gedacht wird, hat man nach Abschluss eines akademischen Jahres von Juni bis September frei, was sich vor allem im Bachelor gut eignet, um Praktika zu absolvieren oder zu reisen.

Embacher Skyline

Privat

Skyline von London

Die Prüfungsleistungen an der LSE sind vielfältig und bestehen nicht nur aus Klausuren, sondern umfassen auch Essays, Online-Tests oder, in meinem Fall, datenbasierte Projekte. In meinem mathematisch orientierten Studiengang machen Klausuren etwa die Hälfte der Prüfungsleistungen aus, da Essays weniger üblich sind. Die anderen 50% sind Projekte und kleinere Tests.

Besonders anspruchsvoll finde ich das Notensystem: Man benötigt mindestens 50 von 100 Punkten, um zu bestehen, wobei eine Bewertung über 70 bereits als sehr gut gilt. Bewertungen über 70 sind selten, da die Prüfungen so gestaltet sind, dass selbst gut vorbereitete Studierende in der Regel nicht alle Fragen vollständig beantworten können.

Diese Art der Bewertung hat mich zunächst verunsichert, da man mit dem Wissen in eine Klausur geht, dass es Aufgaben geben wird, bei denen man keine Idee hat, wie man diese lösen soll. Gleichzeitig motiviert dieses System jedoch, sich auf die wesentlichen Inhalte zu konzentrieren und nicht nur auf das Erreichen der vollen Punktzahl hinzuarbeiten.

Embacher Graduation

Privat

Graduation

Ein typischer Tag an der Uni war meist recht lang und strukturiert durch Vorlesungen, Übungen und selbstständiges Arbeiten. Ich habe den größten Teil meiner Aufgaben vor Ort erledigt, da die Lernatmosphäre auf dem Campus sehr angenehm war und es viele ruhige Plätze zum Arbeiten gab.

Die LSE liegt mitten in der Londoner Innenstadt, was einerseits praktisch, andererseits auch etwas teuer ist, insbesondere beim Essen. Zwar gibt es eine Mensa, allerdings sind die Preise dort recht hoch (ein Gericht kostet etwa 8 £). Daher bin ich häufig auf Alternativen ausgewichen, etwa auf die zahlreichen Supermärkte in der Umgebung, die sogenannte „Meal Deals“ anbieten, bestehend aus einem Sandwich, einem Snack und einem Getränk für rund 4 £.

Insgesamt habe ich mich auf dem Campus sehr wohl gefühlt und dort viel Zeit ver-bracht. Ich habe dort aber nicht nur gearbeitet, sondern auch Freunde zum Mittagessen oder lernen getroffen oder den Abend in einem der LSE-Pubs ausklingen lassen.

Erlebnisse außerhalb des Studiums

In London hat mich besonders positiv überrascht, dass fast alle Museen kostenlos zugänglich sind. Dadurch konnte ich viele der bekanntesten Museen besuchen und hatte auch an kalten Winterwochenenden immer ein spannendes Programm. Ein besonderes kulturelles Highlight war eine Ballettvorführung in der Royal Opera.

Eine eher negative Überraschung war der öffentliche Nahverkehr. Die U-Bahn ist sehr teuer, und die Busse sind oft langsam und unzuverlässig. Deshalb habe ich mich entschieden, mit dem Fahrrad zur Universität zu fahren. Dadurch sparte ich nicht nur Zeit, sondern trieb auch etwas Sport.

London ist überraschend fahrradfreundlich, und obwohl das Wetter gelegentlich etwas regnerisch war, bin ich nur selten auf den Bus ausgewichen, da ich dann statt 30 Minuten mit dem Fahrrad, eine Stunde unterwegs gewesen wäre. Mein Weg führte an der Themse entlang und ich fuhr täglich am Big Ben und dem London Eye vorbei, was jedes Mal ein kleines Highlight war.

Embacher Brighton

Privat

In Brighton

Auch die Pub-Kultur mochte ich sehr gerne: Es ist üblich, sich nach den Vorlesungen dort noch auf ein oder zwei Getränke zu treffen, und die Atmosphäre ist immer entspannt und ungezwungen. Abends separate Treffen zu organisieren, ist hingegen weniger üblich, da die Wege oft sehr lang sind. Die Pub-Kultur ermöglicht es dagegen, den Tag auf angenehme Weise gemeinsam ausklingen zu lassen.

Darüber hinaus habe ich mit meinen Mitbewohnern und Kommiliton*innen viele Viertel Londons erkundet. Dabei hat mir besonders der Norden mit Camden sowie Richmond gefallen. Ich mochte es aber auch, kleine englische Städte wie York oder Cambridge zu besuchen, um ein Gefühl für das „klassische England“ außerhalb der Metropole zu bekommen.

Kulturelle Vielfalt und persönliche Entwicklung

Meine meisten Freundschaften entstanden über die Uni – insbesondere mit Kommiliton*innen aus meinem Studiengang. Mit meinem besten Freund war ich häufig abends im Pub oder feiern, und über ihn lernte ich auch viele seiner Freunde aus dem Bachelor kennen. Auch mit meinen Mitbewohnern in der WG verstand ich mich sehr gut, sodass schnell ein schönes soziales Umfeld entstand.

Die internationale Atmosphäre an der LSE war unglaublich bereichernd. Meine Kommiliton*innen kamen aus der ganzen Welt (z.B. Sri Lanka, Mexiko und Argentinien). Besonders spannend fand ich die Gespräche über unterschiedliche politische und gesellschaftliche Themen, etwa die Situation in Argentinien oder kulturelle Unterschiede im Alltag. Ein Highlight war auch ein gemeinsamer Abend in einem sri-lankischen Restaurant, an dem wir durch einen sri-lankischen Kommilitonen einen authentischen Einblick in die sri-lankische Kulinarik bekamen.

Embacher Seven Sisters

Privat

Ausflug an die "Seven Sisters"

Ich hoffe, die während meines Studiums geknüpften Freundschaften auch über meine Zeit in London hinaus aufrechterhalten zu können. Die Tatsache, dass meine Freunde aus so vielen verschiedenen Ländern stammen, macht regelmäßige Treffen zwar schwieriger, eröffnet aber zugleich die Möglichkeit, viele Länder eines Tages mit einem persönlichen „Guide“ zu bereisen.

Rückblickend habe ich das Gefühl, dass mich die Erfahrungen in London nicht nur akademisch, sondern auch persönlich wachsen ließen. Die Kombination aus anspruchsvollem Studium, kultureller Vielfalt und den Herausforderungen des Alltags in einer Metropole wie London half mir, flexibler und selbstständiger zu werden und auch viel über mich selbst zu lernen.

Besonders wertvoll war die Entwicklung meiner Englischkenntnisse, weniger im fachlichen Sinne, sondern vor allem in Bezug auf mein Selbstbewusstsein im Umgang mit der Sprache. Dadurch, dass ich fast ein ganzes Jahr lang überwiegend Englisch gesprochen hatte, wurde der Gebrauch für mich zur Selbstverständlichkeit. Natürlich brachte mich auch das Studium inhaltlich weiter: Ich konnte viel lernen und wurde sowohl fachlich als auch methodisch stark gefordert.

Während dieser Zeit reifte auch meine Vorstellung von meiner beruflichen Zukunft: Nach meiner Promotion kann ich mir gut vorstellen, noch einmal für einige Jahre ins Ausland zu gehen, vielleicht sogar wieder nach London.

Insgesamt hatte ich eine wirklich schöne Zeit in London und an der LSE und ich kann jedem ein Studium dort nur wärmstens empfehlen.

Stand: Juli 2025.