Kathrin Kuhn
Privat
Auf einem Ausflug
"Dank des Alexander Spohn-Stipendiums der DAAD-Stiftung konnte ich ein Auslands-semester an der Chulalongkorn University in Bangkok verbringen. Akademisch war es wertvoll, da ich mein Wissen über asiatische Wirtschaftsthemen erweitern konnte. Auf persönlicher Ebene hat mich der Aufenthalt ebenfalls geprägt, da ich dadurch offener und kulturell sensibler wurde."
Mit Hilfe des Alexander Spohn Stipendiums der DAAD-Stiftung reiste Kathrin Kuhn nach Thailand, um dort an der Chulalongkorn University in Bangkok ihre Kenntnisse in Unternehmensstrategie und -management zu vertiefen. Im Folgenden berichtet sie über ihre Studienerfahrungen und die einzigartige Gelegenheit, das Alltagsleben in Bangkok sowie die thailändische Kultur aus nächster Nähe kennenzulernen.
Da ich bereits im Bachelorstudium ein Semester im Ausland studieren durfte, war mir klar, dass ich eine solche Erfahrung auch im Master noch einmal machen möchte.
Mit dem Alexander-Spohn-Stipendium der DAAD Stiftung hatte ich dabei nicht nur eine tatkräftige Unterstützung, sondern auch eine erstklassige Betreuung an meiner Seite.

Lohmann/DAAD
Mit weiteren Geförderten der DAAD-Stiftung beim Orientierungsseminar in Bonn
Ich reiste eine Woche vor Studienbeginn an, um mich in der Metropolregion Bangkok etwas einzuleben. Da ich langfristig international tätig sein möchte, bot sich hier die Möglichkeit, meinen fachlichen Fokus stärker auf Asien auszurichten. Zudem war der Studieninhalt sehr praxisorientiert, was in meinem Bachelor zu kurz kam. Ich reiste eine Woche vor Vorlesungsbeginn an, um mich einzuleben. Erst beim Verlassen des Flughafens wurde mir bewusst: Das ist jetzt mein neues Zuhause für die kommenden Monate.
Meine ersten Tage in Bangkok waren geprägt von Staunen, Touristenaktivitäten und der Suche nach einer Unterkunft. Bereits vor der Anreise habe ich mich über mögliche Unterkünfte informiert, wollte allerdings nichts aus der Ferne unterschreiben, ohne es vorher besichtigt zu haben. Daher habe ich die ersten Tage in einem Hotel verbracht und vor Ort nach einer passenden Unterkunft gesucht – etwas, das ich auch weiterempfehlen kann.

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Skyline von Bangkok
Viele Studierende waren in der Nonsi Residence untergekommen, mir war diese allerdings zu weit vom Zentrum und der Universität entfernt. Die meisten Vermieter*innen wünschen eine Mindestmietdauer von einem Jahr. Angebote findet man vor allem über Facebook Marketplace oder über die App „Line“.
Wichtig ist es, die Wohnungen vorab zu besichtigen, um sicherzugehen, dass alles passt, da sich die online Inserate von der Realität oft unterscheiden. Preislich ist das Leben deutlich günstiger als in Deutschland und man kann sehr gut leben. Da ich von Anfang an vorhatte, viel zu reisen, suchte ich bewusst nur das Nötigste und entschied mich für ein Studentenzimmer im CU I-House. Vor allem die Nähe zur Universität und die flexible Mietdauer waren ausschlaggebend.

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Chulalongkorn Business School
Vor dem offiziellen Start der Vorlesungen gab es eine hilfreiche Einführungs-veranstaltung für internationale Studierende, die auch beim Knüpfen erster Kontakte sehr geholfen hat. Besonders viele Studierende kamen aus europäischen Ländern. Hier entstanden wertvolle Freundschaften, die bis heute bestehen. Gleichzeitig erhielten wir organisatorische Informationen. Beispielsweise, dass wir in den ersten zwei Wochen problemlos Kurse zu wechseln konnten.
Ich belegte sechs Kurse: Financial Strategy, Digital Business Strategy, Global Business Strategy, Global Business Environment, Project Management und Supply Chain Management. Mit allen war ich sehr zufrieden. Was mir besonders gefallen hat: Die Vorlesungen waren interaktiv, diskussionsfreudig und sehr praxisnah. Anders als an vielen deutschen Unis war die Mitarbeit ein Bestandteil der Bewertung (meist 5 %). Zusätzlich gab es nahezu wöchentlich Case Studies, Präsentationen und Gruppenarbeiten. Gerade die Gruppenarbeiten waren für mich sehr lehrreich, besonders kulturell. Mir fiel auf, dass ich in Diskussionen eher direkt bin – etwas, das nicht überall auf Begeisterung stieß.
Viele thailändische Studierende waren deutlich zurückhaltender und vermieden Konfrontation. Kommunikation erfolgt oft indirekt und vieles bleibt unausgesprochen. Für mich war es eine wertvolle Erfahrung, diese Unterscheidung zu erleben und auch zu berücksichtigen. Gerade was mir in Zukunft in einem internationalen Arbeitsumfeld stark weiterhelfen wird. Ich habe zudem viel über die asiatische Wirtschaft gelernt – mit einem besonderen Fokus auf China und Südostasien. Beispielsweise haben wir uns intensiv mit der Asienkrise 1997-1998 und deren finanzielle Auswirkungen beschäftigt. Ein Thema, über das ich vorher ehrlicherweise wenig informiert war.

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Ausblick auf den Strand
Der direkte Draht zu den Professor*innen war für mich ebenfalls positiv. Fragen wurden ermutigt, Feedback wurde geschätzt und war konstruktiv. Die Prüfungsleistungen setzten sich meist aus mehreren Elementen zusammen: Kontinuierlicher Mitarbeit, Case Studies, Gruppenprojekten und einem Final Exam (40 % – 60 %). An meiner deutschen Heimatuniversität hatte ich sonst eine Klausur am Ende des Semesters, aber ich gewöhnte mich schnell an die regelmäßigen Abgaben während des Semesters. Natürlich gab es auch stressige Phasen, aber die Verteilung über das Semester hinweg hat die Vorbereitung auf die Klausuren sehr erleichtert.
Eine typische Vorlesung dauerte drei Stunden. Es gibt zwar einen Vorlesungsplan, aber die Professor*innen verschieben regelmäßig Termine. Die Kurse erfordern Vorbereitung und sind darauf ausgelegt, dass in der Vorlesung selbst der Inhalt zusammengefasst und diskutiert wird. Die Mittagspause betrug eine Stunde, sodass wir entspannt in die Kantine oder in einer der zwei benachbarten Malls gehen konnten. Die Essensauswahl war sehr vielfältig und groß. Hier findet jeder etwas und kann sich durchprobieren.
Nach der Vorlesung wurde typischerweise eine benotete Abgabe (z.B. Bearbeitung einer Case Study) erwartet. Diese war thematisch passend zur Unterrichtseinheit. Es wird eine Anwesenheit von 80 % vorausgesetzt, da der Kurs sonst als nicht bestanden gilt. Sehr empfehlen kann ich den kostenlosen thailändischen Sprachkurs der Universität. Insgesamt würde ich den Arbeitsaufwand ich im Vergleich zu Deutschland als geringer einschätzen.

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Tempel an der Küste
Außerhalb der Universität haben Bangkok und Thailand allgemein viel zu bieten. Ich habe mich oft mit Freunden auf ein klassisches Pad Thai oder einen Smoothie getroffen. Bangkok ist eine Stadt voller Kontraste und hat viel zu bieten: Moderne Wolkenkratzer neben alten Tempeln, ruhige Parks neben chaotischem Verkehr, Wohlstand neben Armut. Ich ging viel spazieren und besuchte Tempel, Parks, Malls oder Rooftop Bars. Sonst ist Bangkok gut angebunden, sowohl mit dem Bus, der Bahn oder per Flugzeug können neue Orte erkundet werden.
Die Universität hat auch ein breites Angebot an Sportkursen, weshalb ich oft im Schwimmbecken oder an der Tischtennisplatte anzutreffen war. Für mich war es eine gute Gelegenheit mit thailändischen Studenten ins Gespräch zu kommen. Ich hatte auch viel Besuch von Freund*innen und Familie aus Deutschland und konnte ihnen die Stadt zeigen.
Ich habe jede Gelegenheit genutzt, das Land zu bereisen. Im Norden besuchte ich die Berge rund um Chiang Mai und im Süden erkundete ich die Strände von Krabi und Koh Tao – türkisblaues Wasser und weiße lange Sandstrände. Aber auch abseits der Touristenpfade hat Thailand viel zu bieten. Oft lieh ich mir einen Motorroller und fuhr einfach drauflos.
Ein unvergessliches Erlebnis war es, eine kleine Elefantengruppe in freier Wildbahn zu sehen – ganz unerwartet am Straßenrand. Es war sehr beeindruckend die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Letztendlich war ich selten allein beim Reisen, stattdessen viel mit Freunden oder in größeren Gruppen unterwegs. Aber auch allein reisen lohnt sich, da man vielen aufgeschlossenen Menschen begegnet und es relativ einfach ist Kontakte zu knüpfen. Ich fühlte mich immer sicher.
Die Begegnungen mit den Menschen in Thailand haben mich geprägt. Selbst wenn nicht alle Englisch sprechen konnten und mein gebrochenes Thailändisch begrenzt war – ich habe mich immer wohl gefühlt. Ich habe das Leben in Thailand als gelassener erlebt, langsamer – aber nicht weniger intensiv. Ich konnte Freundschaften schließen, die über das Semester hinaus Bestand haben. Besonders der Austausch mit Kommiliton*innen aus Vietnam, Japan, den USA, Frankreich und natürlich Thailand hat mich geprägt. Wir stehen noch heute in Kontakt.
Besonders eindrücklich war das Neujahrsfest Songkran, das im April mehrere Tage gefeiert wird. Die ganze Stadt verwandelt sich in ein fröhliches Wasserfest – Familien, Kinder, Touristen, Renter*innen - alle stehen auf den Straßen, bespritzen sich mit Wasser und haben Spaß. Das Wasser ist natürlich bei den warmen Temperaturen sehr angenehm, steht aber auch für einen frischen Start in das neue Jahr.
Durch das Alexander Spohn-Stipendium der DAAD-Stiftung hatte ich die Möglichkeit, ein Auslandssemester an der Chulalongkorn University zu verbringen – und es war eine der besten Entscheidungen. Ich bin nicht nur akademisch gewachsen, sondern vor allem persönlich. Ich habe gelernt, mich auf neue Kulturen, Denkweisen und Lebensstile einzulassen. Ich kann jeder und jedem nur empfehlen, diese Erfahrung zu machen.
Stand: Juli 2025.

