Morgan Botrel

A. Petruzella

Untersuchung von Schwebealgen im LakeLab

"Eine wertvolle Erfahrung nicht nur für mich aus wissenschaftlicher Sicht, sondern auch für meine Familie, die mich auf dieser Reise begleitet hat. Das KSB Stiftung Stipendium der DAAD-Stiftung ermöglichte mir den Besuch bei einer engen Kollegin und das Eintauchen in die reiche deutsche Kultur."

Wasser ist eine der wertvollsten Ressourcen unseres Planeten, doch ist es knapp und häufig verschmutzt. Einheimische Wasserpflanzen spielen eine entscheidende Rolle für die Gesundheit von Süßwasser-Ökosystemen. Sie sorgen für klares Wasser, binden Nährstoffe und speichern Kohlenstoff. Invasive, gebietsfremde Wasserpflanzen verdrängen die einheimische Vegetation jedoch häufig.

Unterstützt vom KSB Stiftung Stipendium der DAAD-Stiftung erforschte Morgan Botrel effiziente Strategien zur Eindämmung und nachhaltigen Steuerung invasiver Wasser-vegetation. Neben der Durchführung erfolgreicher Experimente im LakeLab in Berlin lernte sie neben Traditionen und Kultur auch den Alltag in Deutschland kennen, in dem Kuchen nie weit entfernt ist.

Nachmittagstee mit einer deutschen Familie: Versammelt an einem Tisch mit sieben verschiedenen Kuchen - so verbrachte ich den ersten Tag meines kurzen Forschungs-aufenthalts in Berlin. Das war eine schöne Einführung für die kommenden Tage, denn ich fühlte mich immer sehr willkommen, tauchte gerne in die deutsche Kultur ein und der Kuchen war auch nie sehr weit!

Die Familie an diesem ersten Tag war die von Dr. Sabine Hilt, der Wissenschaftlerin, die ich am Leibniz-Institut für Süßwasserökologie und Binnenfischerei in Berlin besucht habe (ich bin stolz darauf, dass ich das jetzt auf Deutsch sagen kann). Dr. Hilt und ich haben seit Beginn meiner Postdoc-Forschung im Jahr 2023 aus der Ferne zusammen-gearbeitet. Da ein längerer Auslandsaufenthalt wegen familiärer Verpflichtungen bisher nicht möglich war, bin ich sehr dankbar für die Unterstützung der DAAD-Stiftung, die es mir ermöglichte, Dr. Hilt zu besuchen und unsere Zusammenarbeit zu fördern.

Botrel LakeLab at IGB

Jens Nejtsgaard

Ausbringen der Pflanzen

In der Tat konnte ich durch meinen Aufenthalt meine Kooperation mit Dr. Hilt vertiefen, aber auch neue Verbindungen knüpfen. Das Projekt, an dem wir gearbeitet haben, war ein Freilandexperiment im Seelabor des IGB. Dies ist ein großes zentrales Wasser-becken mit 24 kleineren Becken (Seezylindern) von jeweils 9 Meter Durchmesser und 20 Meter Tiefe.

Während ich in der IGB-Abteilung 2 (Ökologie der Lebensgemeinschaften und Ökosysteme) in Berlin arbeitete, wurden die Seezylinder im Stechlinsee eingesetzt, einem großen und klaren See in Neuglobsow (ca. eineinhalb Stunden Fahrt nördlich von Berlin), an dessen Ufer sich die IGB-Abteilung 3 (Plankton- und Mikrobielle Ökologie) befindet. In einer Untergruppe dieser Seezylinder hängten wir Seile mit angebrachten Becken in verschiedenen Tiefen ein, in denen wir Wasserpflanzen pflanzten. Wir haben die Seezylinder so ausgewählt, dass sie eine geringe bis hohe Lichttransparenz und Nährstoffverfügbarkeit bieten. Die dahinterliegende Idee war die Bestimmung, welche Bedingungen eine invasive Wasserpflanze im Vergleich zu einer einheimischen Pflanze begünstigten. Wir haben dies anhand des Pflanzenwachstums und der Wasserumgebung gemessen.

Botrel Preparing ropes

Stella Berger

Vorbereiten und Abmessen der Seile für das Experiment

Das Experiment war definitiv ein Erfolg, weil es eine tolle Gemeinschaftsleistung war. Ich habe dabei mit Dr. Antonella Petruzzella zusammengearbeitet, einer neuen Postdoc, die mit Dr. Hilt arbeitete und dasselbe Experiment wie meines durchführte, allerdings mit zwei anderen Spezies. Da es sich um mein erstes Experiment handelte, waren ihre Fachkenntnisse entscheidend, um unsere Pflanze vorzubereiten. Das Seelabor ist eine sehr große Einrichtung und wir hatten auch das Glück, von den beiden Seelabor-Koordinatoren Dr. Stella Berger und Dr. Jens Nejtsgaard begleitet zu werden.

Botrel Sunset

Privat

Sonnenuntergang am Dock der Abt. 3 am Stechliner See

Unter deren Koordination wurden in jedem Seezylinder Sensoren eingesetzt, um kontinuierlich unterschiedliche Wasserparameter zu messen. Wir konnten auch Wasserproben sammeln, um weitere Parameter zu messen, die im Labor der Abteilung 3 analysiert wurden. Mit Hilfe von Dr. Berger und Dr. Nejtsgaard konnten wir - Dr. Hilt, Dr. Petruzzella und ich - nach einer gründlichen Analyse der Wasserparameter die Seezylinder auswählen. Wir konnten mit einer stabilen Vorrichtung unsere Pflanzen vier Wochen lang an Ort und Stelle halten.

Dr. Berger und Dr. Nejtsgaard wurden von einem weiteren Postdoc begleitet, der auf die Fernerkundung spezialisiert ist, Dr. Igor Ogashawara, der mit uns zusammenarbeitete, um die Auswirkungen der Lichtqualität auf die verschiedenen Arten von Wasser-pflanzen zu untersuchen. Natürlich profitierten wir auch von der Hilfe aller Mitarbeiter des Seelabors und der Gruppe von Dr. Hilt, ohne die der Einsatz, die Probenahme und die Ernte nicht hätten stattfinden können. Vor allem die Hilfe von Armin Penske, Christine Kiel und Julia Scheunert war entscheidend für den Abschluss des Experiments.

Jetzt, nach Abschluss des Experiments, arbeiten wir an den letzten Laboranalysen, sammeln Daten, führen statistische Analysen durch und schreiben ein Manuskript. Derzeit sehen wir, dass die invasiven Arten die Kombination aus niedrigeren Lichtintensitäten und höheren Nährstoffen bevorzugen. Im Vergleich zu den einheimischen Arten wachsen mit zunehmender Tiefe mehr Wurzeln. Ich bin zuversichtlich, dass wir bis nächsten Winter mindestens einen wissenschaftlichen Artikel fertiggestellt haben.

Botrel trip

Privat

Der Hafen von Lübbenau im Spreewald

Sowohl bei meiner Arbeit in Berlin als auch bei dem Experiment in Neuglobsow erlebte ich den kulturellen Unterschied zu meinem Alltag in Kanada. Ich habe verschiedene Teile von Berlin besucht, als ich in Schöneiche, Altglienicke und Schöneweide übernachtete; zuerst bei der Familie von Dr. Hilt, dann mit meinem Ehepartner, zwei Kindern und Nichte und schließlich allein.

Ich wusste sehr zu schätzen, dass das Wasser in Berlin mit den vielen Seen und der Spree sehr präsent und zugänglich war. Es fühlte sich manchmal fast so an, als würde ich auf dem Land leben, vor allem, als ich mit dem Fahrrad durch Köpenick zur Arbeit gefahren bin und meine Familie den Tag am Strand verbrachte.

Ich hatte die Möglichkeit, verschiedene Museen in Berlin und auch Märkte zu besuchen. Besonders gut gefielen mir die Alte Nationalgalerie, wo ich die Kunst von Caspar David Friedrich entdeckte, die East Side Gallery und das Jüdische Museum (beide muss man gesehen haben), sowie den Wochenmarkt auf dem Kollwitzplatz. Mich überraschte, wie einfach es war, in Berlin vegane oder vegetarische Gerichte zu finden; insbesondere türkische Gerichte, weit vom Stereotyp Sauerkraut und Bratwurst entfernt. Es gab eigentlich mehr Optionen als zu Hause in Kanada, sogar veganes Schnitzel konnte man leicht finden. Abgesehen vom Kuchen vermisse ich die vielseitige Auswahl an Brötchen aus der Bäckerei, die es überall in Berlin gibt.

Botrel Beach

Tommy Pinard

Am Strand in Lubmin an der Ostsee

Ich hatte auch die Möglichkeit, Festivals zu besuchen und Wochenendausflüge ins Berliner Umland zu machen. Ich besuchte das Internationale Drehorgelfest in Prenzlauer Berg und ein Jazzkonzert entlang der Spree in Schöneweide.

Mit meiner Familie besuchte ich Potsdam, Dresden und die Basteibrücke, die Ostsee und auch den Spreewald, der eine Art deutsches Venedig ist, nur mit Gurken (lokale Spezialität und sehr lecker!). Ich weiß, dass meine Familie während meiner Arbeit die vielen kinderfreundlichen Museen (Botanischer Garten, Zoo, Technikmuseum…) und auch die tollen Spielplätze in ganz Berlin genossen hat. Es hat wirklich geholfen, dass wir mit dem Deutschlandticket einfach und günstig mit öffentlichen Verkehrsmitteln pendeln konnten.

Botrel Family

Tommy Pinard

In der Dresdner Altstadt, auf der Suche nach einem Stück Kuchen

Bei der Arbeit machten sich die Unterschiede nicht so bemerkbar, doch sie gingen über die Sprachbesonderheiten hinaus. Natürlich gab es immer eine Ausrede für einen Kuchen, besonders in Neuglobsow, wo Kaffee- und Teepause heilig sind. Ich habe zum Beispiel gelernt, dass jemand zu seiner Abschiedsfeier oder seinem Geburtstag alles selbst organisiert und sogar seinen eigenen Kuchen backt!

Also genau das Gegenteil wie zu Hause. Ich spürte auch den Unterschied zwischen der Arbeit in einem Institut und an einer Universität. Während ich es gewohnt bin, mit Studenten zu arbeiten, die ich an der Universität ausbilde, waren die Mitarbeiter am IGB hochqualifiziert und die Techniker hatten das letzte Wort, wenn es darum ging, festzulegen, was getan werden kann und was nicht.

Ein weiterer großer Unterschied bei der Probenahme in Kanada im Vergleich zu Deutschland war die Anreise zu unserer Probenahmestelle. Während ich es gewohnt bin, mit dem Minibus zu den Probenahmestellen zu fahren oder abgeholt zu werden, war es das erste Mal, dass ich dazu öffentliche Verkehrsmittel benutzte. Obwohl dies im Allgemeinen recht gut lief und einen umweltfreundlichen Transport darstellt, war es in der Praxis nicht immer ideal, zum Beispiel, wenn ich mein Essen für eine Woche transportieren musste oder wenn in den Sommerferien Zug- und Busverbindungen ausgefallen sind…

Ein weiteres amüsantes Erlebnis mit der deutschen Kultur war, als ich am Dock in Neuglobsow Ausrüstung auf das Boot brachte, mit dem wir zu den Seezylindern kamen. Ein nackter Mann, der auf einem untergetauchten Baumzweig saß, fragte mich beiläufig: „Haben Sie die Zeit?”. Mir wurde gesagt, dass FKK in Europa, besonders im Norden, üblich ist; das hatte ich vorher noch nicht erlebt.

Botrel Sanssouci

Tommy Pinard

Am Schloß Sanssouci in Potsdam

Alles in allem, was mir von meinem Aufenthalt in Deutschland besonders in Erinnerung bleiben wird, sind die wunderbaren Menschen, die ich getroffen habe. Ja, ich habe neue technische Fähigkeiten erlernt, wie man ein Experiment plant und durchführt, und ich habe sogar einen Einblick erhalten, wie groß ein europäisches Projekt sein kann.

Aber wie mir Kollegen sagten: was uns von den wissenschaftlichen Besuchen am meisten in Erinnerung bleibt, sind die Menschen, die wir getroffen haben. Das sind Verbindungen, die von unschätzbarem Wert sein werden, da ich nächstes Jahr Professorin werde. Hoffentlich können wir neue Projekte aufbauen und eine trans-atlantische Zusammenarbeit aufrechterhalten, die in unserem Vertrauen in die Wissenschaft und der Liebe zum Leben verankert ist.

Stand: Oktober 2024. Die englische Version ist das Original.