Ipeleng Kgatle über Deutschland

Privat

Deutsche Art

In meinem Deutschkurs lernte ich auch die deutsche Kultur und die deutschen Gewohnheiten kennen, die sich teilweise von der südafrikanischen Kultur unterscheiden. Einer der kulturellen Unterschiede, die mir aufgefallen sind, ist, dass die Deutschen es vorziehen, direkt und ehrlich anstatt aufgesetzt höflich zu sein. In Südafrika entscheiden wir uns immer für Höflichkeit, um niemanden zu beleidigen. Zuerst dachte ich, dass die Deutschen sehr unhöflich wären. Aber im Laufe der Zeit habe ich begriffen, dass sie nicht unhöflich sein wollen, sondern dass dies einfach die Art und Weise ist, wie sie mit Situationen umgehen. Ein weiterer kultureller Schock war, dass Hunde in Bars und Restaurants erlaubt sind. Tatsächlich sind Hunde beinahe überall erlaubt, sogar im Zug oder in Einkaufszentren. Zu Hause in Südafrika sind Haustiere an den meisten Orten nicht erlaubt, vor allem nicht in Bars und Restaurants. Es war aber sehr interessant dies zu sehen. Eine weitere Beobachtung, die ich gemacht habe, ist, dass die Deutschen extrem empfindlich auf jede Art von Lärm reagieren. Eines Nachmittags saß ich in der Straßenbahn, als ein Baby anfing zu weinen. Die Leute, die vor mir saßen, schienen sehr verärgert darüber zu sein und sahen immer wieder nicht besonders freundlich zu der Mutter hinüber. Mir kam das ein wenig seltsam vor, weil solche Vorfälle nicht unbedingt so schlimm sind und überall passieren können. Einer meiner deutschen Freunde sagte mir, dass die Deutschen ihre Ruhe lieben. In meiner Heimat ist eher das Gegenteil der Fall: Menschen sind im Allgemeinen laut und haben keine Probleme damit, jemandem vom anderen Ende des Raumes aus einen Gruß zuzurufen. Auf jeden Fall sind wir an Lärm gewöhnt.

Deutsche Weihnachten

Es war das erste Mal, dass ich die Weihnachtszeit so weit weg von zu Hause verbrachte.

Als diese Zeit nahte, spürte ich ein tiefes Gefühl von Traurigkeit und Einsamkeit. Ich vermisste mein Zuhause und meine Familie. Alle anderen waren bei ihren Familien oder wollten nach Hause, um sie zu besuchen. Es wurde noch schwerer für mich, als meine Mitbewohner nach Hause fuhren und ich allein in der Wohnung zurückblieb. Es war hart und ich wünschte mir, ich könnte einfach nach Hause fahren und wenn es nur für einen Tag wäre. Der einzige Trost, den ich hatte, war, dass meine südafrikanischen Freunde auch nicht nach Hause fuhren. Das sind Freunde, die ich bereits in Südafrika kennengelernt hatte und die auch hierhergekommen sind, um zu studieren, allerdings in anderen Städten. Sie um mich zu haben und sie hin und wieder zu sehen, gibt mir auch in Deutschland das Gefühl zu Hause zu sein, vor allem, weil ich mit ihnen die südafrikanischen Sprachen sprechen kann. Es gibt mir auch einen gewissen Halt, weil wir hier alle ausländische Studierende sind und ähnliche Dinge erleben, wie zum Beispiel die Probleme mit der Sprache. Es war schön, dass die Stadt mit all den Weihnachtsdekorationen so wunderbar aussah, im Gegensatz zu Südafrika, wo es nicht viele Dekorationen in den Straßen der Städte gibt. Ich schnappte mir oft einen Freund und wir gingen in der Stadt spazieren und sahen uns all die schönen Lichter an.

Das Gefühl der Traurigkeit verschwand, als ich anfing, in Weihnachtsstimmung zu kommen. Die Stadt war immer voll und geschäftig. Es waren immer viele Leute unterwegs, die einkauften und zum Weihnachtsmarkt gingen. Alle schienen glücklich zu sein. Ich ging ein paar Mal mit Freunden auf den Markt, wo wir zum ersten Mal Glühwein tranken und auf einigen Karussells fuhren. Alles war anders als das, woran ich gewöhnt war, da meine Familie und ich Weihnachten eigentlich nicht wirklich feiern. Wir haben normalerweise keine Dekorationen oder Weihnachtsgeschenke und das war schon immer so, aber ich hatte trotzdem viel Spaß. Zu Weihnachten besuchte ich meine beste Freundin, die ein paar Monate in Berlin arbeitete. Ich hatte sie lange nicht gesehen und deshalb freute ich mich sehr darauf, Weihnachten mit ihr zu verbringen. Ich war auch sehr glücklich, Weihnachten mit einer guten Freundin und Südafrikanerin verbringen zu dürfen. Dadurch fühlte ich mich ein bisschen wie zu Hause. Es war mein erster Besuch in Berlin. Ich kam zwei Tage vor Weihnachten an und konnte etwas von der Stadt kennenlernen. Wir besuchten den Alexanderplatz, sahen den ikonischen Turm und gingen auch auf den nahegelegenen Weihnachtsmarkt. Wir besuchten auch das Reichstagsgebäude. An anderen Tagen spazierten wir einfach durch die Stadt, probierten neue Restaurants und Bars aus und machten viele Fotos.

Am ersten Weihnachtstag gingen wir zuerst morgens in die Kirche. Wir besuchten die Altapostolische Kirche, der meine Freundin auch in Südafrika angehört. Wir verstanden nicht viel von dem, was gesagt wurde, aber wir sangen und beteten und das fühlte sich gut an. Dann gingen wir wieder zum Weihnachtsmarkt, um ein paar Sachen zu kaufen. Anschließend gingen wir zurück in ihre Wohnung und begannen zu kochen. Wir hörten während des Kochens unsere südafrikanische Musik und sprachen dann über Video mit unseren Familien zu Hause. Und irgendwann vergossen wir beide ein paar Tränen, weil in unseren Familien alle zusammen waren und wir sie vermissten. Natürlich haben wir sie per Video angerufen und konnten alle bei der Familienzusammenkunft sehen. Es war ein bittersüßes Gefühl. Es fühlte sich toll an alle zu sehen. Aber mein Herz schmerzte trotzdem ein wenig, weil ich sehr weit weg von ihnen war.

So wird Weihnachten normalerweise in Südafrika gefeiert: Wir gehen in die Kirche und kommen dann mit all unseren Verwandten zusammen, kochen, lachen, erzählen Geschichten, machen Musik und tanzen. Und so haben wir das auch hier gemacht, nur wir beide. Wir aßen, tranken Wein und tanzten bis spät in die Nacht zu all unseren südafrikanischen Lieblingsliedern. Es hat Spaß gemacht und ich hätte mein erstes Weihnachten in Europa nicht anders verbringen wollen.

Das Wetter unterschied sich auch sehr vom Wetter in Südafrika in der Weihnachtszeit: Es war extrem kalt. Wenn ich nicht draußen unterwegs war, um mir die schöne Stadt anzusehen oder mich mit Freunden zu treffen, war ich drinnen unter der Decke eingepackt, vor der Heizung. Ich fand es sehr interessant, dass so viele Menschen in der Stadt unterwegs waren, in der Kälte und im Schnee, aber ich schätze, sie sind diese Art von Wetter gewöhnt.  In Südafrika ist Weihnachten im Sommer und es ist extrem heiß. Die Leute sind draußen in Parks, veranstalten ein „Braai“ (grillen) und feiern. Es war also sehr interessant, in der Winterzeit hier zu sein.

Zu Silvester und Neujahr besuchte ich einen weiteren Freund in Köln. Wir haben nicht viel unternommen, sondern haben uns nur mit ein paar anderen südafrikanischen Freunden getroffen, etwas gekocht und sind später etwas trinken gegangen. Das ist auch normalerweise das, was junge Leute in Südafrika an Silvester machen. Mir ist aufgefallen, dass sich das nicht sehr davon unterscheidet, wie auch die Deutschen Silvester verbringen. Sie gehen feiern. Manche gehen in die Kirche, aber die meisten sind draußen und haben viel Spaß, während der Jahreswechsel stattfindet. Also haben meine Freunde und ich zusammen gegessen und gingen dann in eine afrikanische Bar in der Stadt.

Einige Tage nach den Feiertagen kehrte ich nach Mannheim zurück und bereitete mich wieder auf die Schule vor.