Karin Hoffmann

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Vor dem Technoforum der Universität La Rochelle

„Ich bin der DAAD-Stiftung zutiefst dankbar für die Unterstützung meines Forschungs-aufenthalts. Das Stipendium ermöglichte mir nicht nur, meine wissenschaftlichen Ziele in einer inspirierenden Umgebung zu verfolgen, sondern auch neue Kontakte zu knüpfen und festigen. Die Förderung ist für mich eine wertvolle Anerkennung und bestärkt mich darin, mich auch in Zukunft für eine lebenswerte und zukunftsfähige Stadtentwicklung zu engagieren.“

Wie lässt sich der Einfluss begrünter Gebäude auf das städtische Wasser- und Energiemanagement berechnen und wie können diese Berechnungen zu Lösungen für verschiedene Standorte und Gebäude beitragen?

Mit Unterstützung des KSB Stiftung Stipendiums der DAAD-Stiftung forschte Dr. Karin Hoffmann an der Universität La Rochelle, die international für ihre Expertise in der Entwicklung numerischer Modelle für nachhaltige Gebäudetechnik anerkannt ist. Neben ihrem eigenen Forschungsprojekt tauschte sie sich regelmäßig mit anderen Wissenschaftlern aus und erweiterte so ihr Fachvokabular in Französisch. Da Karin Hoffmann zentral in der Stadt wohnte, erlebte sie sowohl die bewegte und bewegende Geschichte La Rochelles als auch seine lebendige Atmosphäre.

Bereits während meiner Promotion an der TU Berlin beschäftigte mich die Frage, wie man die Effekte von Gebäudebegrünung auf den städtischen Wasser- und Energie-haushalt berechnen kann. Um unsere Städte in Zukunft klimagerechter zu gestalten, sollten ressourcenschonende Maßnahmen zielgerichtet eingesetzt werden. In Bezug auf Gebäudebegrünung fehlt es allerdings einerseits an Wissen darum, anhand welcher Parameter (bezüglich der Pflanzen und Substrate) die Systeme ortsspezifisch optimiert werden können, und andererseits an Berechnungstools, um optimierte Systeme in die Planung zu integrieren.

Eine der Arbeitsgruppen, die in diesem Bereich im globalen Vergleich eine wichtige Rolle einnehmen, ist das LaSIE der Universität La Rochelle in Frankreich, im speziellen die Arbeitsgruppe „Nachhaltige Gebäude und Städte: Energie und Umgebungsqualität“. Dank des KSB Stiftung Stipendium und der DAAD-Stiftung habe ich die Möglichkeit erhalten, während eines sechsmonatigen Aufenthalts an der Universität La Rochelle auf unsere jeweiligen Forschungserkenntnisse aufzubauen und gemeinsame Ansätze weiterzuentwickeln.

Hoffmann Begrünung

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Gebäudebegrünung in La Rochelle

Das erste Ziel meines Forschungsaufenthalts war die systematische Beschreibung von Gebäudebegrünung über deren Pflanzen- und Substratparameter. Dazu konnte ich neben eigenen Vorstudien und Literaturwerten auf Daten des LaSIE zugreifen, welches in La Rochelle eine langjährige Außenmeßstelle betrieben hat.

Zudem arbeitete ich mich in das numerische Modell VegBat ein, welches den Wärme- und Wassertransport an Gebäudebegrünung beschreibt und am LaSIE entwickelt wurde. Für meine anschließende Sensitivitätsstudie entwickelte ich das Modell dahin-gehend weiter, dass nun auch das Gebäude direkt im Modell enthalten ist. Somit können Analysen effizienter ohne die Kopplung mit einem komplexen Gebäudeenergie-modell durchgeführt werden.

Hoffmann Technoforum

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Technoforum La Rochelle

Dank der engen Zusammenarbeit mit meinen Kollegen am LaSIE konnte ich meine Sensitivitätsstudie von Pflanzen- und Substratparametern in Gebäudebegrünung und die damit einhergehenden Potenziale für Kühlung abschließen. Darüber hinaus führten wir eine Parameterstudie durch, bei der wir die Kühlwirkung auf Innen- und Außenraum von extensiven Dachbegrünungen mithilfe des Modells vergleichen konnten.

Die Ergebnisse stellte ich zum Abschluss meines Aufenthalts bei der internationalen Konferenz UPWARD (Urban Physics for Wellbeing and Resilience in Dynamic climates) vor. Zudem haben wir die Ergebnisse in einem wissenschaftlichen Artikel beschrieben, der sich derzeit im Peer-Review-Prozess befindet.

Am LaSIE arbeiten etwa 70 Personen fest angestellt in Lehre und Forschung zu den Schwerpunkten Nachhaltigkeit und Schutz von Materialien unter Umweltbelastungen, Qualität von Wohn- und Lebensraumumgebungen sowie Öko-Verfahren für Produkt-qualität und energetische Verwertung von Bio-Ressourcen. Darüber hinaus ist etwa die gleiche Zahl an Doktorand*innen am LaSIE beschäftigt. Am Institut arbeiten sowohl französische als auch internationale Kolleg*innen.

Hoffmann Grundstein

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Der Grundstein der Universität

Die Arbeitsweise am Institut deckte sich sehr mit meinen Erfahrungen aus anderen Forschungsprojekten. Neu für mich war es, in einer Gruppe zu arbeiten, in der nicht eine Professorin oder ein Professor an der Spitze einer Gruppe von Post-Docs und Doktorand*innen steht, sondern mehrere Professoren gemeinsam in einer Arbeits-gruppe tätig sind.

In meinem Arbeitsalltag gab es eine wöchentliche Besprechung mit den beiden Kollegen, mit denen ich den Projektantrag initiiert hatte. Auch neben meinem eigenen Forschungsvorhaben erhielt ich eine Vielzahl von Einblicken in die Arbeit des Instituts, etwa über die Teilnahme an einer Laborführung, Vorträge von Doktoranden; Seminare und einen von meinen Kollegen initiierten Hitzeaktionstag, bei dem weitere Akteure aus Planung und Stadtverwaltung geladen waren.

Über die wöchentlichen Besprechungen hinaus kam ich täglich beim Mittagessen oder beim Kaffee in Kontakt mit der erweiterten Arbeitsgruppe. Das waren mal fünf, mal zehn Personen, die in anderen Feldern im Bereich „Nachhaltige Gebäude und Städte“ tätig sind. Unsere Arbeits- und Umgangssprache war Französisch, was für mich eine besondere Herausforderung aber auch Bereicherung darstellte. Zwar habe ich ein gutes Französischniveau, die Nutzung von Fachvokabular und Französisch im beruf-lichen Kontext waren mir aber neu. Einige der geknüpften Kontakte, insbesondere mit meinen beiden engsten Kollegen werden sicher fortbestehen. Wir haben bereits Möglichkeiten der weiteren Zusammenarbeit besprochen.

Hoffmann Rathaus

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Rathaus von La Rochelle

Neben meiner Arbeit am Institut ermöglichte mir mein Forschungsaufenthalt, die Stadt La Rochelle kennenzulernen. La Rochelle hat eine lange und bewegte Geschichte, denn die Gründung der Stadt reicht ins 10. Jahrhundert zurück. Dieser Ort ist geprägt vom Atlantik, er erlangte seinen Reichtum über Seehandel, war einst Hauptstadt der Hugenotten und spielte eine bedeutende Rolle in der Kolonialgeschichte Frankreichs als Teil des sogenannten atlantischen Dreieckshandels. Das Stadtbild ist geprägt vom alten Hafen, dem gotischen Rathaus, das als eines der schönsten und am längsten betriebenen in Frankreich gilt, zahlreichen kulturellen Angeboten und einer ausge-prägten wirtschaftlichen Tätigkeit in Handels- und Freizeitschifffahrt.

Da der Wohnungsmarkt in La Rochelle sehr angespannt ist, versuchte ich, für den ersten Monat eine kleine Ferienwohnung zu finden. Nach einem ersten Austausch bot mir die Vermieterin einer geeigneten Ferienwohnung überraschend einen befristeten Mietvertrag für die Dauer meines Aufenthalts an. Ich wandte mich zunächst an eine örtliche Mieterberatung, die in Frankreich kostenlos auf kommunaler Ebene angeboten wird. Nachdem ich das Vertragsangebot von einer Mietanwältin der Beratungsstelle habe gegenlesen lassen, sagte ich zu.

Hoffmann Hafen

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Der alte Hafen

Glücklicherweise wohnte ich sehr zentral und konnte sowohl die Universität als auch zahlreiche Restaurants und den zentralen Markt einfach zu Fuß, mit dem Rad oder dem elektrischen Wassertaxi erreichen. So kam ich während meines Aufenthalts in den Genuss, viele französische Gerichte (vor allem die wunderbare Pâtisserie) und lokale Spezialitäten zu kosten. Darüber hinaus war ich überrascht von der Fülle an Kultur-veranstaltungen in der Stadt. Meine persönlichen Highlights waren dabei ein Straßen-theaterfestival mit verblüffenden Darbietungen sowie die Auftritte lokaler „fanfares“, also Brassbands, die die Umstehenden zum Tanzen brachten.

Oft habe ich mit dem Fahrrad Ausflüge ins Umland von La Rochelle unternommen. Dabei habe ich zahllose Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg gesehen, teils eingewachsen, teils von der unterspülten Steilwand auf den Strand gestürzt, teils als Aussichtsplattform genutzt. Diese Bunkeranlagen sind Teil des ehemaligen „Atlantik-walls“, welcher unter Zwangsarbeit von Nazi-Deutschland errichtet wurde, zur Abwehr möglicher Angriffe der Alliierten.

La Rochelle selbst war während des Zweiten Weltkriegs von deutschen Truppen besetzt. Im Bereich des heutigen Fischerei- und Gewerbehafens zeugt ein gigantischer U-Boot Bunker von der strategischen Bedeutung La Rochelles für die ehemaligen deutschen Besatzer. Aufgrund dessen waren La Rochelle und die Region eines der letzten befreiten französischen Gebiete.

Während meines Aufenthalts in La Rochelle jährte sich das Ende des Zweiten Welt-kriegs zum 80. Mal. In der Stadt fanden Gedenkfeierlichkeiten statt, zu denen auch der Bürgermeister der Partnerstadt Lübeck anwesend war. Die Auseinandersetzung mit diesem Teil der Deutsch-Französischen Geschichte hat mich bewegt. Ist mein Aufenthalt in La Rochelle doch gerade ein Zeugnis der gemeinsamen Bemühungen um Versöhnung und Freundschaft. Ich bin sehr dankbar, dass die KSB Stiftung und die DAAD-Stiftung den Austausch und die internationale Kooperation fördern, die dazu beitragen, zugewandt und friedlich zusammen zu leben.

Über meine wissenschaftliche Arbeit hinaus wurden meine persönlichen Perspektiven durch meinen Aufenthalt am LaSIE in La Rochelle sehr bereichert. Ich wurde darin bestärkt, mich auch in Zukunft in der deutsch-französischen Vernetzung zu engagieren und ich bin gespannt darauf, welche Möglichkeiten sich bieten werden, mit meinen sehr geschätzten französischen Kollegen in weiteren Forschungsprojekten zusammen-zuarbeiten. Ich bin der KSB Stiftung und der DAAD Stiftung sehr dankbar mir diesen Aufenthalt in La Rochelle ermöglicht zu haben.

Stand: Juli 2025.