Simon Schwesig

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Simon Schwesig verewigt sich nach erfolgreichem Abschluss traditionell mit seiner Unterschrift in der Zweetkamertje

"Meine Masterarbeit in Leiden hat mir gezeigt, dass ich gerne noch weiterhin wissenschaftlich arbeiten möchte und es noch eine Fragestellung gibt, mit der ich mich im Rahmen einer Doktorarbeit beschäftigen möchte. Meine akademischen Kontakte nach Leiden werden mir dabei noch von großem Nutzen sein."

Simon Schwesig kommt aus Deutschland. Er hat dank des Alexander Spohn-Stipendium der DAAD-Stiftung ein Jahr "Public International Law" an der Universiteit Leiden, Niederlande studiert.

Hier schildert er seine Erfahrungen und Eindrücke:

Von September 2020 an studierte ich ein Jahr lang an der Universiteit Leiden in den Niederlanden. Leiden ist eine wunderschöne Universitätsstadt, die zwischen Den Haag und Amsterdam in der niederländischen Provinz Zuid-Holland liegt. Dort belegte ich den Masterstudiengang Public International Law, den ich im August 2021 mit dem Abschluss „LLM“ beendete. Die Universität ist weltweit berühmt für ihren Fokus auf das Völkerrecht. Dieser Fokus zieht Studenten und Dozenten aus aller Welt nach Leiden. Gleichzeitig trägt die Nähe zu Den Haag und damit zu verschiedensten internationalen Gerichtshöfen und Organisationen dazu bei, dass die Universiteit Leiden als weltweites Zentrum für das Völkerrecht-Studium gilt.

Die Dozenten des Studiengangs bringen alle Praxiserfahrung mit, da sie selbst schon in unterschiedlichsten Funktionen für die internationalen Gerichtshöfe und Organisationen gearbeitet haben oder auch bereits als rechtliche Vertreter von Staaten vor den Gerichtshöfen aufgetreten sind. Durch ihre eigenen Erfahrungen können sie einen exklusiven Einblick in die Praxis des Völkerrechts vermitteln. Gleichzeitig erlaubt ihnen dies auch, aktuelle Mitarbeiter oder auch Richter in den Seminarraum zu holen, wodurch man einen sehr direkten und aktuellen Einblick in das gegenwärtige Geschehen an den Gerichtshöfen bekommt. So hatten wir einige Gastvorträge von derzeitigen Richtern am Internationalen Strafgerichtshof oder auch von bekannten Anwälten, die uns aus ihrer Arbeit erzählten. Dies bereicherte den Studiengang, da es Theorie und Praxis miteinander verbunden hat.

Schwesig Gracht

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Neben meinem Studium nutzte ich auch die Chance, einen Niederländisch-Sprachkurs zu machen. Aus deutscher Sicht klingt Niederländisch wie eine Mischung aus Deutsch und Englisch. Zwar kann man als Deutscher viel Niederländisch verstehen und lesen, aber die Sprache selbst sprechen zu können, ist schwieriger. Ich schloss den Kurs Ende Mai mit einer Sprachniveauprüfung ab, sodass ich nun Niederländisch auf dem Niveau A1 sprechen kann. Der Sprachkurs war eine tolle Erfahrung und hat mir sehr viel Spaß gemacht. Nun kann ich Alltagssachen auf Niederländisch erledigen, wie auf dem Wochenmarkt einkaufen, im Restaurant bestellen, oder jemanden nach dem Weg fragen. Das ist ein richtig tolles Gefühl. Meines Erachtens zeigt es auch Respekt gegenüber den Menschen und ihrer Kultur, wenn man mit ihnen in ihrer Landessprache kommunizieren kann. So fühle ich mich jetzt etwas wie ein Einheimischer, wenn einem richtigen Holländer zuerst nicht auffällt, dass ich Ausländer bin.

Natürlich hatte aber die Corona-Pandemie auch Auswirkungen auf mein Studium und die erlassenen Einschränkungen führten zu einem veränderten Lehrbetrieb. Allerdings verfolgte die niederländische Regierung die Strategie, Bildungseinrichtungen so lange wie möglich offen zu halten. So hatten wir im ersten Semester im Herbst 2020 Unterricht in Präsenz. Die Seminare wurden in Kleingruppen, mit Maske und mit Abstand durchgeführt. Dies hat ohne Probleme funktioniert.

Auf Grund der sich verschlechternden Pandemiesituation am Ende des letzten Jahres, gingen die Niederlande vor Weihnachten jedoch in den bisher strengsten Lockdown mit nächtlichen Ausgangssperren. Dies hatte Auswirkungen auf das zweite Semester. Es fand ausschließlich online statt. Allerdings war die Universität darauf hervorragend vorbereitet, sodass dies nicht zu generellen Einschränkungen im Lehrbetrieb führte. Auch war die Bibliothek durchgehend geöffnet, sodass der Zugang zu wichtiger Literatur und wichtigen Materialien durchgehend gewährleistet war.

Schwesig Strand

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Sobald sich die Pandemiesituation entspannte, waren auch Ausflüge wieder möglich

Ab Mai wurden die Einschränkungen jedoch schrittweise wieder gelockert wodurch das Leben in die Stadt zurückkehrte. Plötzlich waren die Grachten wieder bevölkert und die Stadt verwandelte sich wieder in eine pulsierende Studentenstadt mit vielen offenen Cafés, Restaurants und kulturellen Aktivitäten. Auch das Wetter wurde nach einem langen Winter endlich wieder warm. Nun konnte man Studenten sehen, wie sie an großen Esstischen einfach mitten in der Gasse vor ihrem Haus zu Abend aßen. Das ist eine typische holländische Studententradition im Sommer. Das Wetter erlaubte nun auch wieder lange Fahrradausflüge an den nahegelegenen Strand mit Freunden oder zu den berühmten Tulpenfeldern. Nun machte es auch wieder Spaß, Leiden zu verlassen und andere Städte zu erkunden. So besuchte und erkundete ich Den Haag, Amsterdam und Utrecht. Gleichzeitig war es aber während des ganzen zweiten Semesters weiterhin möglich, sich in Kleingruppen mit Freunden im Freien zu treffen. Dies erlaubte mir, meine Freundschaften mit Kommilitonen aus Holland, Irland und Spanien aus dem ersten Semester zu vertiefen und zu festigen.

All dies hat dazu beigetragen, dass mir mein Studium in den Niederlanden an der Universiteit Leiden große Freude gemacht hat. Trotz Pandemie war es ein sehr interessantes, bereicherndes und erfolgreiches Jahr. Auch das tägliche Leben in den Niederlanden zu erleben war eine sehr tolle Erfahrung. Besonders die Fahrradkultur hat es mir angetan. Daher kann ich mein Auslandsjahr und mein Studium dort nur weiterempfehlen.

Schwesig Urkunde

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Simon Schwesig mit seinem Masterzeugnis vor dem Academiegebouw

Ich selbst werde jetzt weiterziehen und nach Schottland an die University of St Andrews für einen PhD gehen. Meine Masterarbeit in Leiden hat mir gezeigt, dass ich gerne noch weiterhin wissenschaftlich arbeiten möchte und es noch eine Fragestellung gibt, mit der ich mich im Rahmen einer Doktorarbeit beschäftigen möchte. Meine Doktorarbeit wird das Phänomen der forreign terrorist fighters behandeln und daher Fragestellungen aus dem Völkerrecht, der Internationalen Beziehungen sowie von Terrorismus behandeln. Meine akademischen Kontakte nach Leiden werden mir dabei noch von großem Nutzen sein.

Stand: August 2021.