Rym Nouioua

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Anbringen von Nebelnetzen

"Das Prof. Bingel Stipendium der DAAD-Stiftung hat mich im zweiten Jahr des ECO-OLIVES-Projekts finanziell unterstützt. Eine solche Kontinuität ist für langfristige ökologische Studien von entscheidender Bedeutung, bei denen Zeit und Konsistenz der Schlüssel zur Gewinnung fundierter Erkenntnisse sind."

Mit Hilfe des Prof. Bingel Stipendiums konnte die Biologin Rym Nouioua ihr zweites Forschungsjahr im Kontext ihrer Dissertation durchführen, in dem sie sich mit insektenfressenden Fledermäusen und deren Abhängigkeit von Landschafts- und Saisonfaktoren in mediterranen Oliven-Anbausystemen befasste. Da sie in Italien geboren und aufgewachsen ist, also fließend Italienisch spricht, konnte sie leicht Kontakt zu lokalen Landwirten aufnehmen, was dazu beitrug, dass sie ihr Wissen zu Olivenanbau, Schädlingsbekämpfung und Lebensmittelproduktion vertiefen konnte.

1. Einführung

Im Rahmen meiner Doktorarbeit über Vögel, Fledermäuse und damit verbundene Ökosystemleistungen im europäischen Landnutzungskontext habe ich mehrere saisonale Forschungsaufenthalte in Calci, Italien, absolviert. Aufgrund meiner umfassenden Erfahrung in der Arbeit mit Fledermäusen habe ich mich entschieden, meine Doktorarbeit auf Vögel und Fledermäuse zu konzentrieren, da beide Gruppen einen hohen ökologischen Einfluss haben, insbesondere im Hinblick auf die Schädlingsbekämpfung und ihren allgemeinen Beitrag zu Ökosystemleistungen. Das Professor-Bingel-Stipendium durch die DAAD-Stiftung finanzierte ein Jahr saisonale Feldforschung vom 16. März 2024 bis zum 31. Januar 2025. Dieser Aufenthalt war Teil des ECO-OLIVES-Projekts, das die funktionelle Rolle von Fledermäusen in medi-terranen Olivenhainen untersucht. Die Forschung zielte darauf ab, zu untersuchen, wie verschiedene Landbewirtschaftungspraktiken die Aktivität von Fledermäusen und die Biodiversität beeinflussen.

Über die akademische Arbeit hinaus ermöglichte mir der Forschungsaufenthalt, mich an interdisziplinären Kooperationen zu beteiligen, kulturelle Austausche zu erleben und neue methodische Ansätze für die Feldökologie zu erforschen.

Nouioua Fieldwork Setup

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Vorbereitungen für die Feldforschung

2. Forschungsaktivitäten und Methodik

Im Jahr 2024 wurde die Feldarbeit mit Schwerpunkt auf bioakustischem Monitoring von Vögeln und Fledermäusen sowie der Bewertung von Lebensräumen in 12 biologisch bewirtschafteten Olivenhainen mit unterschiedlicher Landnutzungsintensität fortgesetzt. Im Jahr 2023 entstanden die ersten Mesokosmos-Experimente. Die Methodik umfasste:

- Akustisches Monitoring: Die Aktivität der Fledermäuse wurde mit Vollspektrum-Ultraschalldetektoren (Batlogger M, Elekon AG; Song Meter Mini Bat, Wildlife Acoustics) aufgezeichnet. Beide Geräte erfassen hochauflösende Audiodaten im Ultraschallbereich bis zu 250 kHz und ermöglichen so die Erkennung und Analyse von Echoortungsrufen auf Artenebene. Die Aufnahmen wurden zur Nachbearbeitung und Artenidentifizierung im WAV-Format gespeichert. Die Ausrüstung ist wetterbeständig und für den autonomen Einsatz unter Feldbedingungen geeignet.

Nouioua Mist Netting 1
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Nächtliche Feldforschung

- Einfangen der Tiere mit Vogelnetzen und Artenidentifizierung: Darüber hinaus führte ich kontrollierte Fangaktionen mit Vogelnetzen durch, um das Vorkommen der Arten zu bestätigen, und sammelte Kotproben für die Analyse des Schädlingsverzehrs durch Fledermäuse.

- Lebensraumuntersuchungen: Dazu gehörten die Messung der strukturellen Komplexität und der Nähe zu naturnahen Lebensräumen, um Korrelationen zwischen der Aktivität von Fledermäusen und Vögeln zu bewerten. Die Datenanalyse wurde mit Kaleidoscope Pro durchgeführt, wobei die statistische Modellierung in R erfolgte. Die Forschungsarbeit trägt zu einem besseren Verständnis der Rolle von Vögeln und Fledermäusen bei der Schädlingsbekämpfung bei und zeigt auf, wie die Bewirtschaftung von Olivenhainen die Biodiversität verbessern kann.

3. Wichtigste Feststellungen und vorläufige Ergebnisse

Die während dieses Forschungsaufenthalts erhobenen Daten werden die Grundlage für mindestens zwei begutachtete Publikationen bilden, die sich mit der Vielfalt von Fledermäusen und Vögeln in mediterranen Olivenhainen befassen. Darüber hinaus werden die Ergebnisse in meine Doktorarbeit einfließen. Über 18 Terabyte an akustischen Daten wurden während der Herbst- und Frühjahrssaison beider Jahre in 12 biologisch bewirtschafteten Olivenhainen aufgezeichnet. Vorläufige Analysen deuten darauf hin, dass in dem Untersuchungsgebiet etwa 27 der 32 in Italien bekannten Fledermausarten vorkommen. Der Datensatz wurde vollständig verarbeitet und umfasst über 80.000 Fledermausdurchflüge, die manuell zur genauen Artenidentifizierung überprüft werden. Die vorläufigen Ergebnisse (Grafik) basieren auf der automatischen Identifizierung durch Kaleidoscope Pro. Während der Fledermaus-Fangaktion im Frühjahr 2024 haben wir 21 Individuen aus 6 verschiedenen Arten identifiziert und konnten 7 Kotproben für weitere Analysen sammeln.

Nouioua Fledermaus 2

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Plecotus austriacus

4. Persönliche und kulturelle Erfahrungen

Über die Forschung hinaus bot mir mein Aufenthalt in Italien wertvolle kulturelle und akademische Austauschmöglichkeiten. Die Feldforschung in der ländlichen Toskana bot Einblicke aus erster Hand in mediterrane Landschaften und Naturschutzheraus-forderungen unter ökologischen Landnutzungssystemen. Das Feldteam bestand aus Dr. Bea Maas (Koordination und Leitung), Tara Hanf-Dressler (Doktorandin, Schwerpunkt Vögel), mir (Doktorand, Schwerpunkt Fledermäuse und Bioakustik) und Andrea Piccini (Masterstudent, Entomologie). Außerdem kam Praktikantin Maela Marlet hinzu, die beim Einfangen der Fledermäuse mit Netzen half.

Nouioua Workshop

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Workshop der lokalen Interessengemeinschaft

Ein besonders bereichernder Aspekt meines Forschungsaufenthalts war der regelmäßige Austausch mit den Landwirten vor Ort. Diese Gespräche boten praktische Einblicke in den Olivenanbau, die Schädlingsbekämpfung und die Geschichte der Landnutzung, wodurch sich mein Verständnis für den sozioökologischen Kontext der Lebensmittelproduktion erheblich vertiefte. Auf Vertrauen basierende Beziehungen zu Landwirten waren sowohl für den Zugang zu den Standorten als auch für die sinnvolle Verknüpfung wissenschaftlicher Forschung mit den alltäglichen Realitäten der Landwirtschaft von entscheidender Bedeutung.

Ich habe vorläufige Ergebnisse auf einem von der Universität Pisa organisierten Workshop vorgestellt und habe mich zwei nationalen wissenschaftlichen Netzwerken angeschlossen, der SCB Italy und dem Italiano Ricerca Chirotteri (GIRC), um einen langfristigen akademischen Austausch zu stärken. Ich stehe weiterhin in engem Kontakt mit mehreren Kollegen*innen und Freunden aus dem Gastland und plane eine fortgesetzte Zusammenarbeit in zukünftigen Feldeinsätzen und bei der Datenanalyse.

Nouioua Fieldwork Setup 2

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Anbringen einer Wildkamera

Die Zeit für persönliche Aktivitäten war aufgrund der Intensität der Feldarbeit begrenzt. Ich hatte jedoch die Gelegenheit, das kleine, aber schöne Museum der Certosa di Calci zu besuchen und einige Zeit in Pisa zu verbringen. Da ich in Italien geboren und aufgewachsen bin, war mir das kulturelle Umfeld bereits vertraut. Einer der unvergess-lichsten Aspekte waren jedoch die Fahrten durch die toskanische Landschaft mit unserem zuverlässigen Fiat Panda und das Leben im Keller eines kleinen Bauernhauses, einer einfachen, aber stimmungsvollen Unterkunft für lange Tage auf dem Feld. Der Aufenthalt ermöglichte es mir auf jeden Fall, mich wieder mit der Region, der Sprache und dem Essen zu verbinden und langjährige Freundschaften auf sinnvolle Weise zu pflegen.

Nouioua Fledermaus 1

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Pipistrellus kuhlii

5. Ausblick und nächste Schritte

Zukünftige Schritte umfassen:

- Weitere bioakustische Analysen zur Artenidentifizierung sowie weitere statistische Analysen der Lebensraumnutzungsmuster, der saisonalen Aktivität und der multi-trophischen Interaktionen mit Vögeln und Insekten sowie die Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen für Olivenhaine.

- Stärkung der Zusammenarbeit mit beteiligten Parteien aus Landwirtschaft und Naturschutz, um die Forschungsergebnisse in die Praxis umzusetzen.

Das geförderte Forschungsjahr war eine unschätzbare Gelegenheit, die nicht nur meine Forschung vorangebracht hat, sondern mir auch wichtige finanzielle Unterstützung bot, sodass ich mich ohne zusätzliche wirtschaftliche Sorgen auf die wissenschaftliche Feldarbeit, die Datenerhebung und die Zusammenarbeit konzentrieren konnte.

6. Danksagungen

Ich bin dem Prof. Bingel Stipendium der DAAD-Stiftung für die Unterstützung dieses Forschungsaufenthalts sehr dankbar, ebenso wie meinen Betreuer*innen Dr. Bea Maas (Universität Wien), Prof. Dr. Stefan Dullinger (Universität Wien) und Prof. Dr. Marko Rohlfs (Universität Bremen) für ihre beratende Unterstützung. Besonderer Dank gilt den lokalen Mitarbeiter*innen in Calci, Italien, für die Unterstützung bei der Feldforschung.

Stand: Februar 2025. Die englische Version ist das Original.