Volodymyr Reshota
Privat
Prof. Reshota vor dem Gebäude der Rechtwissenschaften der FU Berlin
"Mein Aufenthalt in Berlin war produktiv und inspirierend zugleich. Sowohl auf der wissenschaftlichen als auch auf der persönlichen Ebene empfand ich ihn als große Bereicherung, da er mir die Gelegenheit bot, zusammen mit einem geschätzten Kollegen an der Freien Universität Berlin zu forschen und den einzigartigen Geist der Stadt, ihre Traditionen und ihr reiches Kulturerbe zu erleben. Angesichts meines akademischen Hintergrundes und meiner beruflichen Verpflichtungen war diese Erfahrung von unschätzbarem Wert."
Dank des Dr. Knaul-Stipendiums der DAAD-Stiftung konnte Prof. Volodymyr Reshota nicht nur eingehende Studien für seine Monografie über die Verwaltungsjustiz in Europa durchführen. Er traf auch seinen Sponsor Dr. Andreas Knaul persönlich und tauschte sich mit diesem über die Rechtspraxis in Deutschland und der Ukraine aus. Während seiner Forschungsarbeit an der Freien Universität Berlin fand er zudem Inspiration für neue Lehrmethoden, die er nun an seiner Universität in der Ukraine anwendet. Sein Aufenthalt in Deutschland fiel sogar mit der Weihnachtszeit zusammen - eine perfekte Gelegenheit, traditionelle Festtagsleckereien wie Glühwein und Christstollen zu probieren.
Ich habe in Rechtswissenschaften habilitiert und habe eine Professur an der Abteilung für Verwaltungs- und Finanzrecht der Nationalen Universität Lwiw „Iwan Franko“ inne. Außerdem bin ich anwaltlich tätig und arbeite als Senior Research Fellow im Menschenrechtslabor Lwiw der Nationalen Akademie der Rechtswissenschaften der Ukraine. An der Universität unterrichte ich die Fächer Verwaltungsverfahrensrecht, Erwerb und Praxis des Rechtsanwaltsstatus sowie Schutz von Fahrerrechten.
Unter der Leitung von Prof. Dr. Torben Ellerbrok habe ich einen Monat lang an der Freien Universität (FU) Berlin geforscht. Mein Forschungsschwerpunkt liegt auf der vergleichenden Analyse des deutschen und ukrainischen Verwaltungsrechts. In Berlin hatte ich Zugang zu den umfangreichen Sammlungen der FU-Fachbibliothek Rechtswissenschaft und der Staatsbibliothek, die über eine enorme Fülle an wertvollen gedruckten und digitalisierten Quellen verfügen. Mit meinem Bibliothekszugang konnte ich auch Quellen aus anderen renommierten Institutionen einsehen, beispielsweise aus Oxford und Cambridge, wo ich viele wichtige Materialien für meine Forschung fand.

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Die Berliner Staatsbibliothek
Ich habe einige Materialien in deutscher Sprache gelesen, vor allem juristische Kommentare zur Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO), die mir das Verständnis der Struktur und Grundsätze des deutschen Verwaltungsgerichtssystems sehr erleichtert haben. Mein Hauptfokus lag jedoch auf englischsprachigen Quellen, die ich künftig in einer englischsprachigen Monographie über die Verwaltungsjustiz in Europa verwenden möchte.
Dabei handelt es sich um ein langfristig geplantes wissenschaftliches Projekt. Kurzfristig möchte ich sowohl deutsch- als auch englischsprachige Quellen für einen vergleichenden Forschungsartikel über die Verwaltungsjustiz und die Gerichtsmodelle Deutschlands und der Ukraine heranziehen. Für eine ganze Forschungsarbeit war ein Monat zwar zu kurz, doch anhand der zusammengetragenen Quellen kann ich meine Arbeit in der Ukraine fertigstellen. Neben dem bereits erwähnten wissenschaftlichen Artikel möchte ich die Materialien für eine englischsprachige Monographie nutzen, um eine breitere wissenschaftliche Zielgruppe anzusprechen und kritische Punkte der Verwaltungsjustiz auszuleuchten.

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In einer Vorlesung
Diese Forschung ist deshalb so wichtig, weil Verwaltungsgerichte Bürgerinnen und Bürgern ein Rechtsinstrument an die Hand geben, um behördliche Eingriffe in ihre Rechte und Freiheiten abzuwehren. In der Ukraine sind die Menschenrechte aufgrund des derzeit geltenden Kriegsrechts stark eingeschränkt. Unter solchen Umständen sind Verwaltungsgerichte oft die letzte – oder sogar die einzige – Instanz, die Bürgerinnen und Bürgern Rechtsbehelfe zur Verfügung stellt. Die Verwaltungsjustiz ist in einem demokratischen Rechtsstaat unersetzlich, da sie den Schutz der Menschenrechte gewährleistet. Die Ukraine muss daher von den Erfahrungen demokratischer Staaten lernen, um das Verwaltungsgerichtswesen weiterzuentwickeln und ihr Rechtssystem im Rahmen der EU-Integration stärker an europäische Standards anzugleichen.
Das deutsche Verwaltungsgerichtssystem ist für die Ukraine von besonderem Interesse, da ihr eigenes System dem deutschen Ansatz folgt. Dies gilt vor allem für die Einrichtung spezialisierter Verwaltungsgerichte innerhalb des Justizwesens. Tatsächlich basiert das ukrainische Verwaltungsgerichtssystem auf dem deutschen Modell, das auch die Systeme Österreichs, Polens, der baltischen Staaten und weiterer Länder beeinflusst hat. Dieses Modell sieht spezialisierte Verwaltungsgerichte vor, die strukturell vom allgemeinen Rechtssystem getrennt sind. Dem steht das französische Modell gegenüber, in dem der Conseil d’État (Staatsrat) als höchste Verwaltungs-instanz fungiert, aber kein Gericht im herkömmlichen Sinne darstellt. In den Niederlanden und anderen Staaten wiederum existiert ein gemischtes System, in dem Verwaltungsangelegenheiten mitunter in die Zuständigkeit spezialisierter Kammern innerhalb allgemeiner Gerichte fallen.
Als die Ukraine zu Beginn der 2000er-Jahre ihr eigenes System entwickelte, diente der deutsche Ansatz mit seiner langen Rechtstradition und seinem gut strukturierten Verfahrensrecht als starkes und effektives Vorbild. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die beiden Systeme identisch sind. Im Gegenteil soll der geplante Artikel wichtige Unterschiede herausarbeiten und erklären, wie die Ukraine bestimmte Elemente an ihren spezifischen juristischen und institutionellen Kontext angepasst hat.

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Mit Prof. Dr. Ellerbrok
Akademischer Austausch und Erkenntnisgewinn
Während meines Aufenthalts in Berlin habe ich von meinem wissenschaftlichen Berater und FU-Forschungspartner, Prof. Dr. Torben Ellerbrok, wertvolle Einblicke und um-fassende Hinweise zum deutschen Verwaltungsgerichtssystem erhalten. In zahllosen formellen und informellen Gesprächen haben wir uns über die Rechts- und Gerichts-systeme Deutschlands und der Ukraine, den Anwaltsberuf und die Unterrichtsmethoden an Jurafakultäten ausgetauscht.
Im Rahmen meiner Forschung konzentrierte ich mich auf folgende wichtige Aspekte der Verwaltungsjustiz: die institutionelle Struktur von Verwaltungsgerichten, Verfahrens-garantien für natürliche Personen in behördlichen Verfahren und die Rolle der Verwaltungsjustiz für den Schutz der Menschenrechte. Ich habe mich für diese Aspekte entschieden, da sie für den Zugang zur Justiz in einem Rechtsstaat essenziell sind, insbesondere in Ländern wie der Ukraine, die einen demokratischen Transformations-prozess durchlaufen. Ein Verständnis der Funktionsweise dieser Elemente in gut etablierten Rechtssystemen wie dem deutschen liefert wertvolle Erkenntnisse zur Verbesserung des ukrainischen Modells, besonders im Hinblick auf die europäische Integration.

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An der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
Im Vergleich zu meiner Heimatuniversität habe ich einige Unterschiede in der Kommunikationskultur festgestellt. An der Freien Universität Berlin war die Kommunikation im Allgemeinen gut strukturiert, bündig und effizient. Meetings und Diskussionen waren eher formell und zielgerichtet, wobei klare Erwartungen formuliert wurden, auch hinsichtlich des Zeitrahmens. Die ukrainische Wissenschaftskultur legt zwar großen Wert auf Professionalität, doch die Interaktionen an meiner Heimat-einrichtung sind oft informeller und flexibler, mit einem stärkeren Fokus auf persönlichen Beziehungen.
Diese Erfahrung war ausgesprochen bereichernd und hat sich sogar auf meine Lehrmethodik ausgewirkt. So hat sie mich dazu inspiriert, das Prüfungsformat in meinem Kurs Verwaltungsverfahrensrecht zu ändern. Anstatt eine herkömmliche mündliche Prüfung abzulegen, müssen die Studierenden nun einen Rechtsfall basierend auf einer schriftlichen Fallbeschreibung lösen. Dieser Ansatz fördert das juristische Denken und spiegelt Lehrmethoden wider, die ich in Deutschland kennengelernt habe.
Prof. Dr. Torben Ellerbrok lud mich auch zu verschiedenen sozialen Zusammenkünften außerhalb des universitären Rahmens ein, darunter ein Abendessen, bei dem ich die deutschen Feiertagstraditionen näher kennenlernte. Da ich mich im Winter in Berlin aufhielt, konnte ich die deutsche Art, Weihnachten und Neujahr zu feiern, aus erster Hand miterleben. Diese Momente behalte ich in guter Erinnerung und danke Prof. Dr. Ellerbrok für seine Großzügigkeit und Betreuung. Auch in der Bibliothek der FU Berlin erhielt ich einen herzlichen Empfang, inklusive einer Tour und einer detaillierten Einführung zum Umgang mit den Bibliotheksbeständen und elektronischen Katalogen. Dies hat mir eine reibungslose, effiziente Forschungsarbeit ermöglicht. Darüber hinaus nahm ich an der Universität an einer Gastvorlesung von Prof. Pablo Holmes aus Brasilien zum Thema „Der Weg zu einer konstitutionellen Soziologie der Eigentums-rechte“ teil.
Kulturelle und persönliche Erfahrungen
Neben der wissenschaftlichen Arbeit bot mir mein Berlinaufenthalt die Chance, Traditionen, Sitten und Gebräuche der deutschen Kultur kennenzulernen. Da mein Aufenthalt in die Weihnachts- und Neujahrszeit fiel, konnte ich die festliche Stimmung in Berlin erleben, Weihnachtsmärkte besuchen und traditionelle Festtagsspezialitäten probieren. Die Feiertagstraditionen, die ich kennenlernte, fühlten sich vertraut und fremd zugleich an. So war ich beispielsweise von den Weihnachtsmärkten begeistert, die in der Ukraine weniger üblich sind. Die Atmosphäre war festlich und friedlich. Besonders gefallen haben mir Stollen, heiße Schokolade und Glühwein, die das festliche Weihnachtsmarkterlebnis abrundeten.
Es war eine ausgesprochen schöne, friedliche und unvergessliche Zeit und zugleich eine seltene Abwechslung vom kriegsbedingten Stress in meiner Heimat – wenigstens vorübergehend konnte ich den Luftalarmsirenen und Raketenangriffen entkommen. Dafür möchte ich vor allem Dr. Andreas Knaul und der DAAD-Stiftung von Herzen danken. Dieser Aufenthalt hat mir ein Gefühl von Frieden und Sicherheit vermittelt, wenn auch nur für kurze Zeit.
Der Krieg beeinträchtigt unser Leben in jeder Hinsicht. Das betrifft auch unsere Arbeit. Drohnen- und Raketenangriffe mit lauten, verstörenden Explosionen sorgen für schlaflose Nächte, was es schwierig macht, tägliche Routinen einzuhalten. Dennoch wird von uns erwartet, unsere Arbeit wie gewohnt fortzusetzen. Alle gesetzlichen Feiertage – einschließlich Neujahr, Unabhängigkeitstag und sogar Weihnachten – sind nun reguläre Werktage. Im Rahmen meiner Lehrtätigkeit versuche ich, meinen Studierenden dabei zu helfen, eine gewisse Struktur aufrechtzuerhalten. Ich darf ihnen aber nicht zu viel abverlangen, da auch sie dieselben schwierigen Umstände durchleben. Die richtige Balance zu finden, ist eine ständige Herausforderung.

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Anwaltskanzlei Luther
Besuch in der Kanzlei Luther
Eine besondere Ehre war die persönliche Bekanntschaft mit Dr. Andreas Knaul, der mich einlud, die Rechtsanwaltsgesellschaft Luther zu besuchen, eine der größten deutschen Wirtschaftskanzleien mit Niederlassungen in aller Welt. Dieser Besuch hat mich stark beeindruckt, bot er mir doch die Gelegenheit, die inneren Abläufe einer großen deutschen Kanzlei zu beobachten.
Bei einem Mittagessen mit Dr. Andreas Knaul, Dr. Martin Fleckenstein, Luther-Mitarbeiter:innen und ukrainischen Anwält:innen tauschten wir uns über die rechtliche Praxis und Ausbildung und das Berufsleben in Deutschland und der Ukraine aus. Besonders interessant für mich war die Initiative Ukraine Desk, mit der Luther ukrainische Anwält:innen und Jurist:innen unterstützt. Ich weiß diese Bemühungen sehr zu schätzen und hoffe, die Zusammenarbeit mit Dr. Andreas Knaul und Luther in der Zukunft fortsetzen zu können.

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Park Sanssouci
Streifzüge durch Berlin und Potsdam
Ich habe auch die Chance genutzt, Berlin zu erkunden, eine riesige, moderne Stadt. Beispielsweise war ich auf dem Alexanderplatz, ging Unter den Linden spazieren und besuchte das Brandenburger Tor und den Reichstag. Angesichts der vielen unvergesslichen Orte und Momente fällt es mir schwer, einen Favoriten zu nennen. Aber wenn ich mich festlegen müsste, würde ich sagen, dass mir der Berliner Dom, der Weihnachtsmarkt auf dem Alexanderplatz und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am besten gefallen haben. Letztere hat mich mit ihrer halb zerstörten Bausubstanz und symbolischen Bedeutung tief beeindruckt.
Außerdem konnte ich Potsdam, die größte Stadt Brandenburgs direkt vor den Toren Berlins, besuchen. Zu den Highlights gehörte der atemberaubende Park Sanssouci mit seinen beiden Schlössern. Vor allem das majestätische Schloss Friedrichs des Großen hat bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen. Da es Winter war, konnte ich den Park leider nicht in seiner ganzen Schönheit erleben. Das weckt die Lust, im Frühling oder Sommer zurückzukehren.
Ich bedanke mich herzlich bei Dr. Andreas Knaul, dem Team der DAAD-Stiftung und des DAAD e. V., der Freien Universität Berlin und Prof. Dr. Torben Ellerbrok, die mir die Gelegenheit gaben, Berlin zu besuchen, wertvolle Forschung durchzuführen und die Kultur und Traditionen der Stadt kennenzulernen. Dieser Forschungsaufenthalt hat nicht nur meine wissenschaftliche Arbeit vorangebracht, sondern auch neue persönliche und berufliche Kontakte ermöglicht, aus denen in der Zukunft hoffentlich weitere Kooperationen erwachsen können.
Stand: Februar 2025. Die englische Version ist das Original.

