Wilfried Hartmann
Privat
So sieht eine aus Überzeugung und mit Eifer selbstgebastelte Spendenbox aus
"Ich vertraue darauf, dass der DAAD und die DAAD-Stiftung nicht nachlassen in ihrem Bemühen, durch die Förderung von Austausch und Begegnungen von Studierenden und Lehrenden das Miteinander und das gegenseitige Verstehen von Menschen aller Kontinente Realität werden zu lassen."
Es war ein Anlass, hinter dem gemischte Gefühle standen.
Prof. Dr. Dr. h.c. Wilfried Hartmann feierte nicht nur seinen eigenen Geburtstag, sondern auch den seiner Frau - in Gedenken an die Verstorbene. Den Tag verbrachte er bei einer Gartenparty mit Famile, Freunden und Weggefährten. Es war ihm ein Bedürfnis, den schönen Moment zu teilen, indem er seine Gäste aufforderte, gemeinsam mit ihm den internationalen Austausch zu unterstützen und an die DAAD-Stiftung zu spenden.
Dafür meldete er sich vorab in der Geschäftsstelle der Stiftung und ließ sich Material zusenden, das teilweise zum Basteln und teilweise zum Auslegen verwendet wurde. Spenden statt Geschenke - eine klassische Anlass-Spende.
Er lässt uns an Auszügen seiner beeindruckenden Lebensgeschichte und -leistung sowie an seiner Motivation für die Förderung der DAAD-Stiftung teilhaben:
Und trotz aller Verbote freundeten wir wenigen deutschen Kinder uns bald mit englischen an – Fußbälle und Briefmarken halfen dabei, Sprachbarrieren als nachrangig einzuschätzen und allmählich abzubauen. Zuerst waren es Schimpfwörter bei Schneeballschlachten, vor allem, wenn es uns gelang, die englischen Kinder bis zu den Fenstern ihrer Kohlenkeller zurückzudrängen, sie dann unsere Schneebälle mit Eierkohlen beantworteten, die wir schleunigst in unsere Keller schleppten. Dann mit aufgeschnappten Phrasen: „What’s your name?“, „Do you have stamps? I am a stamp collector”, schließlich ganz gemischt auf dem Spielplatz.

Hendry/Unsplash
Eine Kindheit mit Herausforderungen
Meine erste Auslandsreise machte ich in der 12. Klasse nach Ste. Maxime an der Côte d’Azur, schloss Freundschaften mit Franzosen und Französinnen, besuchte sie in ihren Familien probierte Pastis und verbesserte meine Französischkenntnisse.
Mein Durst nach Auslandsaufenthalten war durch unterschiedliche Momente ausgelöst worden, z.B. durch Fronteinsätze meines Vaters als Fotograf bei der Luftwaffe, wie ich damals immer sagte „weit weg, in Griechenland“ oder auch durch die Lektüre von Karl May. Während meines Studiums stillte ich meinen Durst nach Auslandsaufenthalten durch Jobs bei Reisegesellschaften in Sonderzügen als Page, in Bussen als Reiseleiter und begleitete Reisen von der Nord- und Ostsee bis zur Adria und Riviera.
Meine erste Begegnung mit dem DAAD e.V. hatte ich, als ich mich nach meiner Promotion 1970 erfolgreich als Lektor für die deutsche Sprache auf eine Stelle an einer schwedischen Universität bewarb. Das gründete auf meiner Begeisterung für schwedische Literatur und vor allem für meine spätere Frau, die sehr gut Schwedisch sprach. Besagte Universität strich zu meinem großen Bedauern kurz vor Dienstantritt leider die Stelle.
Als „Ersatz“ arbeite ich dann am Studienkolleg für ausländische Studierende an der Universität Hamburg. Auch hier konnte ich vielfältige interkulturelle Erfahrungen sammeln: In meinen Kursen waren viele Studierende aus Ghana (Muslime und Christen). Ein Nigerianer antworte auf die Frage nach dem Beruf seines Vaters „König“. Unter den vielen aus Indonesien war auch eine junge Frau, die es geschafft hatte, durch ein Stipendium für ein Auslandsstudium einer Zwangsheirat zu entkommen

Privat
Internationale Verhandlungen als fester Bestandteil der Verantwortung
Nach meinem Wechsel an die Universität Hamburg als Dozent für deutsche Sprache und Literatur setzte sich mein Interesse an internationaler Arbeit verstärkt fort:
- In meinem Linguistik-Studium hatte das Thema Mehrsprachigkeit eine immer wichtigere Rolle eingenommen. Da war Finnland mit der offiziellen Zweisprachigkeit – Finnisch und Schwedisch – (dazu den 3 samischen Sprachen) ein spannendes Feld für mich. Meine erste Stelle als Gastdozent an der Helsingin Yliopiston, Helsinki, Finnland, war daher für mich prägend. Ich verstand, dass es um mehr geht, als um gute eigene Lehre, dass die Chance geboten wird, durch die Teilnahme an Aufnahme- und Abschlussprüfungen, Besuche von benachbarten Universitäten, Gesprächen in Ministerien und Behörden ein anderes Bildungssystem zu verstehen – dass sich daraus auch persönliche Freundschaften und eine Partnerschaft zwischen den pädagogischen Fakultäten der Universitäten Hamburg und Helsinki entwickelte, waren Extra-Boni. Es folgten Aufgaben als Gastdozent/Gastprofessor u.a. am Jordan Hill College of Education (heute Teil der Strathclyde University) Glasgow; der Indiana University, Bloomington IND, USA; der Vytautas Magnus Universität, Kaunas, Litauen; der Lettischen Universität, Riga; der Universität Luxemburg. Die Unterrichtssprachen reichten von Deutsch über Englisch bis ins Französische, manchmal auch gemischt.
- 35 Jahre lang war ich Fachbereichs-/Fakultätsbeauftragter für ausländische Studierende, darunter ungezählte mit DAAD-Stipendium, und Mitgründer eines weiterführenden Studiengangs für Lehrkräfte von Kindern verschiedener Muttersprachen.
- 31 Jahre Universitätsbeauftragter für Fragen des Studienkollegs.
- 16 Jahre lang war ich Mitglied, davon 13 Jahre lang Vorsitzender des Senatsausschusses der Universität Hamburg für internationale Hochschulbeziehungen.
- 13 Jahre lang Mitglied des Vorstands der „Stiftung Akademische Auslandsstelle“.
- 9 Jahre lang Stellvertretender Vorsitzender des Governing Boards des UNESCO-Instituts für Pädagogik – in der Zeit seiner Umgestaltung zum UNESCO Institut für lebenslanges Lernen.
- Während meiner 7 Jahre als Vizepräsident der Universität Hamburg (drei Amtsperioden und Verlängerung) war ich u.a. zuständig für internationale Angelegenheiten und Partnerschaften. In diesen Funktionen
- arbeitete ich an der Verbesserung der Studienbedingungen der ausländischen Studierenden,
- förderte den internationalen Austauschs von Hochschulmitgliedern
- und die Weiterentwicklung der Partnerschaftsbeziehungen, z.B.
- durch die Verlängerung bestehender Partnerschaften,
- durch den Aufbau von neuen Kooperationen und den darauf aufbauenden Abschluss von erstmaligen Partnerschaftsverträgen mit
der Taiwan National University in Taipeh,
der Peking University in Beijing,
der Fudan in Shanghai,
der University of California at Berkeley,
der Nationalen und Kapodistrianischen Universität in Athen.
Ich vertrat die Universität Hamburg beim DAAD (Mitgliederversammlungen, Tagungen, einer Road-show in China) und auf internationalen Rektorenkonferenzen und pflegte den Kontakt zu den mehr als 90 Konsulaten in der Freien und Hansestadt Hamburg. Und wann immer ich Informationen brauchte, war der DAAD ein verlässlicher Ansprechpartner, auch wenn er nicht der Financier der jeweiligen Aktion war.

Senatskanzlei Hamburg/Marten
Verleihung des Bundesverdienstkreuzes für ein Leben voller Leistungen -
beruflich, wie oben geschildert, und auch ehrenamtlich in Leitungsämtern im Rahmen der Evangelisch Lutherischen Kirche
Ich gebe zurück.
Meinen ersten Kontakt mit der DAAD-Stiftung hatte ich anlässlich eines runden Geburtstags. Denn es ist für mich eine willkommene Gelegenheit, bei solchen Anlässen und auch zukünftig bei Familienfeiern, Jubiläen etc. die Gäste zu bitten, statt persönlicher Geschenke für die Arbeit der Treuhandstiftung des DAAD zu spenden, per Überweisung oder Nutzung einer Spendenbox – die es mir dann auch erlaubt, den Betrag aufzurunden und mit Dank weiterzuleiten an die DAAD-Stiftung.
Deren Treuhänder ermöglichte es mir, Kolleginnen und Kollegen und Studierenden beratend zur Seite zu stehen und in einigen Fällen dabei zu helfen, Hindernisse zu überwinden, seien sie nun materieller, psychischer oder politischer Art. Ich bin dankbar dafür, während meines Lebens nicht nur Stacheldrahtzäune durchschnitten wurden, sondern sogar Mauern fielen und der Abschied vom Blockdenken und die Reduktion von schwerbewaffneten Armeen möglich schien.

Privat
Dieses Fest in seinem Garten nutzte Herr Hartmann, um Anlassspenden zu sammeln
Daher war und ist es mir ein persönliches Anliegen, auch nach meiner aktiven Zeit in der Hochschulwelt dazu beizutragen, dass Menschen unterschiedlichere Nationen einander verstehen, z.B. 12 Jahre als einer der Direktoren der „European University Foundation/Campus Europae“, Luxemburg, und seit 7 Jahren in den Leitungsgremien des “Forum for World Education“, Boston, Peking, Paris, London. Ich war froh, erleben zu dürfen, dass z.B. Entscheider aus Peking, Hongkong und Taipeh auf unseren Tagungen gemeinsam um Lösungen ringen und dass mehr und mehr Stacheldrahtzäune in den Köpfen unzähliger junger Menschen durch Brücken über Bäche und Gartenwege zwischen Blumenrabatten ersetzt wurden.
Und deshalb lasse ich mich nicht entmutigen durch Menschen, die durch Kriege, Steuern, Verunglimpfungen etc. Zäune und Mauern errichten, verstärken, ausweiten.
Anmerkung der Geschäftstelle:
Rat und Leiterin der Geschäftsstelle der DAAD-Stiftung danken Herrn Professor Hartmann dafür, dass er der Stiftung nicht nur selbst zugewendet, sondern durch seine besondere Intitiative auch zur wachsenden Bekanntheit der DAAD-Stiftung im Hamburger Raum beigetragen hat.

